Sprachforscher Englisch macht Deutsch nicht kaputt

Anglizismen schaden der deutschen Sprache nicht. Das zumindest meint ein Wörterbuch-Experte.


Stamm der deutschen Sprache bleibt fest bestehen

Stamm der deutschen Sprache bleibt fest bestehen

Stuttgart - Nach Ansicht von Ulrich Heid, Gastgeber des Lexikografen-Kongresses in Stuttgart, werden die vielen englischen Vokabeln, die ständig in unsere Sprache strömen, nicht an deren Grundfesten rütteln. "Der Einfluss der Anglizismen wird zwar immer stärker, und sicherlich ändert sich dadurch das Deutsche ein bisschen", sagt Heid, "doch der Stamm der Sprache bleibt fest und bestehen."

Englische Ausdrücke haben seiner Meinung nach oft mehr Prestige als die deutschen Entsprechungen, da sie eben ausländisch und zudem nach Fachausdruck klängen. Schnellen Eingang in die deutsche Sprache fänden sie zudem deshalb, weil sie kürzer und so bequemer anzuwenden seien.

An einem Beispiel aus dem Computerwortschatz zeigt der Wörterbuch-Experte, wie englische Wörter entwurzelt und rasch in das System der deutschen Sprache eingefügt werden: Das Wort "e-mailen" funktionierte bereits nach kürzester Zeit wie ein ganz normales deutsches Wort.

Der Umgang mit Anglizismen wird in den verschiedenen Ländern Europas sehr unterschiedlich gehandhabt. Frankreich macht bekannterweise schon seit längerer Zeit Front gegen den englischen Sprachimperialismus. Dagegen werden englische Wörter in den skandinavischen Ländern "einfach in die eigene Sprache aufgenommen", erklärt Heid.

In Deutschland gebe es unterschiedliche Positionen, meint der Sprachexperte. "Einige können es hier gut aufnehmen und auch aussprechen, andere haben Bedenken."

Dies erklärte Heid im Rahmen des zur Zeit in Stuttgart tagenden Euralex-Kongresses, der im zweijährigen Turnus stattfindet und als die größte wissenschaftliche Tagung im Bereich der Lexikon-Forschung gilt.

Schwerpunkt der Vorträge in Stuttgart wird die Frage sein, wie Wörterbücher effizient auf den neuesten Stand gebracht werden können. "Ein Wort wie 'Babypause' zum Beispiel ist neu und sollte möglichst schnell aufgenommen werden", meint der Wissenschaftler.

Mit der deutschen Rechtschreibreform hingegen wird man sich laut Heid kaum befassen.



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