Sprachkritik PETA schlägt "Meeresfrucht" auf den Magen

Wer hat hier gerade einen Meeresfrüchtesalat bestellt? Sie vielleicht? Dann passen Sie bloß auf! Die internationale Tierrechtsorganisation PETA will, dass die Vokabel Meeresfrucht aus dem Duden gestrichen wird. Das Wort degradiere die Tiere zu schwimmendem Obst.


Miesmuschel: Das Lebensmittel formerly known as "Meeresfrucht"
DPA

Miesmuschel: Das Lebensmittel formerly known as "Meeresfrucht"

Hätte die Meeresfrucht einen Kragen, es ginge ihr jetzt an selbigen. Die internationale Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) findet den Begriff diskriminierend, er verführe die Verbraucher zum Irrglauben, "Meerestiere seien gefühlloses, schwimmendes Obst" (Pressemitteilung).

"Es gibt nur Meerestiere oder Meerespflanzen, sprich Algen", erklärte PETAS Kampagnenleiterin, die Meeresbiologin Dr. Breining, heute. Es sei Zeit, die Verbraucher darüber aufzuklären, dass fast ausnahmlos alle Meerestiere, besonders Fische, Weichtiere und Krebstiere ein feines Nervensystem aufweisen und sehr schmerzempfindlich sind.

Eine Einsicht, die besonders Gourmets wehtun wird. Vorbei also die Zeiten, wo lässig Meeresfrüchtesalat zum Chardonnay geordert wurde? Wird die Meeresfrüchte-Pizza erstmal abtauchen? "Früchte haben kein Nervensystem und können auch keine Schmerzen empfinden", erklärte die Wissenschaftlerin darüber hinaus. Tja: Wer sich je in sadistischer Weise an Obst verging, tat es umsonst.

Für Meeresfrüchte aber gilt: sie können komplexe Sozialstrukturen aufweisen, ein Familien- und Revierverhalten zeigen, Farben sehen und durch Niedrigtonfrequenzen miteinander kommunizieren. "Welche Früchte können das schon?", fragt die PETA-Beauftragte konsequent. Und es stimmt: Äpfel beispielsweise sind unorganisiert, im Herbst liegen sie in faulen Haufen herum. Noch schlimmer ist die Banane, der alte Gammler, verlässlich ist sie nur als wiederkehrendes Motiv in schlechten Sketchen.

Die PETA will der Meeresfrucht, diesem Früchtchen des deutschen Vokabulars, die Diskriminierung nicht mehr durchgehen lassen: Raus aus dem Duden lautet die Forderung. "Bleiben Sie gesund und zeigen sie Mitgefühl", fordert Breining in ihrem Pressetext.

Wer bislang vollmundig von "Meeresfrüchten" schwärmte, wird sich in Zukunft vielleicht beschränken müssen. Von Muscheln wird man nur noch tuscheln.



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