Sprachmüll 2009 "Betriebsratsverseucht" ist Unwort des Jahres

"Ein sprachlicher Tiefpunkt" im Umgang mit Mitarbeitern: "Betriebsratsverseucht" ist das Unwort des Jahres und landete vor den Begriffen "Flüchtlingsbekämpfung", "intelligente Wirksysteme" und "Bad Bank".
Betriebsratsverseucht? DGB-Chef Michael Sommer hat sicher keine Freude an dem Unwort

Betriebsratsverseucht? DGB-Chef Michael Sommer hat sicher keine Freude an dem Unwort

Foto: DDP

Frankfurt am Main - "Betriebsratsverseucht" ist das Unwort des Jahres. Das gab eine unabhängige Jury unter Leitung des Sprachwissenschaftlers Horst Schlosser am Dienstag in Frankfurt am Main bekannt. Das Wort sei in der ARD-Sendung "Monitor" am 14. Mai vergangenen Jahres verwendet worden. Darin berichtete ein Mitarbeiter einer Baumarktkette, der Begriff werde von Abteilungsleitern benutzt, wenn ein Mitarbeiter zwischen einer Filiale mit Betriebsrat und einer ohne Betriebsrat wechseln wolle.

Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen als Seuche zu bezeichnen, sei "ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen", sagte Schlosser zur Begründung. Hinter "betriebsratsverseucht" landeten die Begriffe "Flüchtlingsbekämpfung", "intelligente Wirksysteme" und - als sogenanntes Börsenunwort - "Bad Bank".

Schlosser hatte die sprachkritische Aktion 1991 initiiert, damals wurde der Begriff "ausländerfrei" Unwort des Jahres - eine ausländerfeindliche Parole bei den Übergriffen in Hoyerswerda.

Gesucht werden sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die grob unangemessen sind oder gar die Menschenwürde verletzen. Nicht entscheidend ist, wie oft ein Vorschlag gemacht wird.

"Notleidende Banken" - das Unwort des Jahres 2008 - war aus 2117 Einsendungen mit 1129 Vorschlägen ausgewählt worden. In der Jury saßen diesmal neben den vier ständigen Mitgliedern - Sprachwissenschaftler verschiedener Universitäten - der Redakteur der "Frankfurter Rundschau", Stephan Hebel, und der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach.

cte/apn/ddp
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