"Sprayer von Zürich" Harald Naegeli muss für Flamingo-Graffiti zahlen

Seit Jahrzehnten gilt der Schweizer Harald Naegeli den einen als visionärer Künstler, den anderen als zerstörerischer Verbrecher. Nun muss er für Flamingo-Graffiti in Düsseldorf Entschädigung zahlen.

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Harald Naegeli, der berühmte "Sprayer von Zürich", muss wegen seiner Flamingo-Graffiti an Düsseldorfer Hauswänden zahlen. Das Verfahren gegen ihn wegen Sachbeschädigung wurde am Dienstag vom Düsseldorfer Amtsgericht nur gegen Geldauflagen eingestellt.

So wurde der 79-Jährige zur Wiedergutmachung des Schadens der Hauseigentümer in Höhe von insgesamt fast 800 Euro und zur Zahlung von 500 Euro an ein Kinderhospiz verpflichtet.

Naegeli reagierte enttäuscht: "Ich wollte ein Kunstwerk an Stelle des Geldes geben, aber im Kapitalismus zählt halt nur das Geld", sagte der Schweizer. Für die Kunststadt Düsseldorf sei die Entscheidung "eine Peinlichkeit".

Zuvor hatte Naegeli zugegeben, an der NRW-Akademie der Wissenschaften und der Künste sowie weiteren Häusern Flamingos aufgesprüht zu haben. Aus seiner Sicht sei dies keine Sachbeschädigung und nicht strafbar. Einen Strafbefehl in Höhe von 600 Euro hatte er nicht akzeptiert.

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Harald Naegeli: Revolution aus der Sprühdose

Mit seinenGraffiti ist Naegeli längst zu einem international anerkannten Künstler geworden, einer eigenen Marke. Begonnen hatte er Ende der Siebzigerjahre in seiner Heimatstadt Zürich. In der Dunkelheit der Nächte hatte er Häuserwände besprüht - als Protest gegen die Unwirtlichkeit der Städte. Daraufhin gingen Hunderte Anzeigen wegen Sachbeschädigungen bei der Polizei ein, ein jahrelanger Rechtsstreit folgte.

Naegeli flüchtete nach Deutschland, wo er prominente Unterstützer fand, darunter Joseph Beuys und Willy Brandt. Der ehemalige Bundeskanzler setzt sich damals bei Außenminister Hans-Dietrich Genscher für ein Aussetzen des Auslieferungsersuchen der Schweiz ein. Es half alles nichts: 1984 trat Naegeli seine Freiheitsstrafe in der Schweiz an. Seit dem hat er sich von juristische Verfahren nicht von seiner Kunst abhalten lassen - wie jetzt in Düsseldorf.

brs/dpa



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