SS-Vorwurf Ehemalige Kollegen verteidigen Strittmatter

Der DDR-Schriftsteller Erwin Strittmatter soll in NS-Verbrechen verwickelt gewesen sein und Zeit seines Lebens darüber geschwiegen haben. Das enthüllte ein Historiker am Wochenende in der "FAS". Ehemalige Kollegen reagieren zurückhaltend auf den Vorwurf.


Frankfurt/Main - Der Autor Erich Loest ("Nikolaikirche") bezeichnete das Schweigen seines 1994 verstorbenen Kollegen Erwin Strittmatter als rein private Angelegenheit. "Es haben doch so viele nicht alles zugegeben", sagte Loest der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Sollte Strittmatter ("Ole Bienkopp") jedoch wie behauptet in dem SS-Gebirgsjäger-Regiment gedient haben, habe er jedoch "es verdient", dass dies öffentlich werde.

DDR-Schriftsteller Strittmatter (1912-1994): Verstrickung in NS-Verbrechen verschwiegen
DPA

DDR-Schriftsteller Strittmatter (1912-1994): Verstrickung in NS-Verbrechen verschwiegen

Der langjährige Präsident des Schriftstellerverbands der DDR, Hermann Kant, sagte der "FAZ", er und sein "wunderbarer Freund" Strittmatter würden mit den "Vermutungen" des Literaturwissenschaftlers Werner Liersch "schon fertig".

Unter der Titelzeile "Erwin Strittmatters unbekannter Krieg" hatte der Historiker Werner Liersch am Wochenende in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" enthüllt, die DDR-Ikone Strittmatter sei in NS-Kriegsverbrechen verwickelt gewesen. Er hatte dem Schriftsteller vorgeworfen, die Militärbiografie während des Zweiten Weltkriegs verschwiegen zu haben. So sei Strittmatter 1941 nicht wie behauptet zur Schutzpolizei, sondern zur der SS unterstellten Ordnungspolizei einberufen worden. Zwar sei nicht bekannt, ob Strittmatter in ein Massaker seines Bataillons in Slowenien und Griechenland verstrickt war, schrieb Liersch weiter. "Aber er besaß Kenntnisse dieses Krieges von einem ungewöhnlichen Radius", so der einstige Chefredakteur der Zeitschrift "Neue deutsche Literatur" ("ndl").

Die Witwe und Kollegin des Autors, Eva Strittmatter, griff am heutigen Montag in der "FAZ" ihren einstigen "ndl"-Kollegen Liersch an. Am meisten verwundere sie an dem Beitrag, dass Liersch sie mit seinen Enthüllungen dermaßen überfalle, sagte sie laut dem Blatt. Von der exponierten Rolle des Regiments ihres Manns habe sie keine Kenntnis besessen. Strittmatters Biograf Günther Drommel betonte dem Bericht zufolge, es sei die Privatsache des Autors, ob er sein gesamtes Leben literarisch verarbeite. Vielleicht habe die SED auch "ihrem Autor Strittmatter verboten", über seine Erlebnisse zu schreiben, zitierte die Zeitung Drommel.

hoc/ddp



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