Streit bei Medieninstitut Grimme-Chef Gäbler tritt zurück

Der Geschäftsführer des Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, hat nach Auseinandersetzungen mit einem der Gesellschafter der Marler Medienforschungsanstalt seinen Rücktritt erklärt. Sein Nachfolger soll der Chef des Branchendienstes "epd Medien" werden.


Grimme-Chef Gäbler: Menschliches Verhältnis zerrüttet

Grimme-Chef Gäbler: Menschliches Verhältnis zerrüttet

Marl - Nach offenbar dauerhaften Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Volkshochschul-Verband, der als Gesellschafter für das Adolf-Grimme-Institut mitverantwortlich zeichnet, ist Grimme-Chef Bernd Gäbler nach knapp dreieinhalb Jahren als Geschäftsführer zurückgetreten. Die strategischen Gemeinsamkeiten seien erschöpft und das menschliche Verhältnis mit dem Vorsitzenden des Verbandes, Ernst Küchler, sei zerrüttet, erklärte Gäbler in einer offiziellen Mitteilung. Nachfolger Gäblers soll voraussichtlich im August der Leiter des Medienfachdienstes "epd medien", Uwe Kammann, werden. Dies teilten Küchler und die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM) mit.

In Marl, wo das Grimme-Institut sich vorrangig mit der Auswertung von Medien und der Analyse televisionärer Phänomene beschäftigt, müht man sich, den plötzlichen Abgang Gäblers herunterzuspielen: "Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass man nach Ablauf eines befristeten Vertrages einen neuen Geschäftsführer benennt", erklärte Küchler auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Gäblers ursprünglich auf fünf Jahre befristeter Vertrag sei im Herbst 2003 zeitlich halbiert worden, als die Adolf Grimme GmbH wegen explodierender Kosten für die Preis-Verleihung kurz vor der Insolvenz stand. "Danach gab es eine halbjährige Verlängerung und dies haben wir ihm bereits im Dezember auch noch einmal bis Ende Juli 2005 angeboten", sagte Küchler.

Dieses Angebot schlug Gäbler nun nach einer krankheitsbedingten Zwangspause aus: Er wolle nicht die ihm zugedachte Rolle als "Lückenbüßer" übernehmen, sondern sich lieber anderen Aufgaben in der Medienszene zuwenden, erklärte Gäbler.

Küchler und der Direktor der LfM, Norbert Schneider, zeigten sich befriedigt darüber, mit dem 56-jährigen Kammann einen Medienfachmann verpflichtet zu haben, der als Jurymitglied mit dem Grimme-Preis auf das Engste verbunden sei. "Wir erwarten von Uwe Kammann, dass er die Einzigartigkeit des Preises unter den deutschen Medienpreisen erhalten wird", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Dem Gesellschafterkreis der Adolf Grimme GmbH gehören neben dem Volkshochschul-Verband und der LfM der WDR, das ZDF, die Stadt Marl und die NRW Medien GmbH an. Alljährlich vergibt das Institut die renommierten Grimme-Preise für herausragende Filme und Sendungen sowie für besondere Leistungen im deutschen Fernsehen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.