Streit beigelegt Kermani soll Hessischen Kulturpreis erhalten

Der Streit um den Hessischen Kulturpreis 2009 ist beigelegt: Nun soll der muslimische Schriftsteller Navid Kermani doch ausgezeichnet werden - zwei christliche Mitpreisträger hatten dies zuvor abgelehnt. In einer vertraulichen Aussprache wurden die Differenzen beiseitigt.


Mainz/Wiesbaden - Zwei Stunden diskutierten Karl Kardinal Lehmann, der frühere Darmstädter Kirchenpräsident Peter Steinacker und Salomon Korn vom Zentralrat der Juden in Deutschland gemeinsam mit Navid Kermani, dann stand fest: Der muslimische Schriftsteller soll den Hessischen Kulturpreis nun doch erhalten.

Vor rund drei Monaten hatten Lehmann und Steinacker überraschend gegen die Auszeichnung Kermanis protestiert. Ob der Autor den Preis nun tatsächlich auch erhält, war zunächst nicht klar.

In einer gemeinsamen Erklärung der Preisträger heißt es: "Im Verlauf der über zwei Stunden sich erstreckenden Diskussion wurden ohne eine weitere Beteiligung anderer Personen alle Aspekte der Kontroverse diskutiert. Es herrschte eine sachliche, offene und respektvolle Atmosphäre." In der Mitteilung vertreten Lehmann, Steinacker und Korn die Ansicht, "dass Dr. Navid Kermani mit dem Hessischen Kulturpreis mitausgezeichnet werden soll".

Der Hessische Kulturpreis wird für Verdienste um den Dialog der Kulturen von einem Kuratorium unter Vorsitz des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) vergeben.

Die Aberkennung des Preises an Kermani war bundesweit auf massive Kritik gestoßen. Nach dem Protest hatte das Kuratorium zunächst entschieden, den Preis nur an Lehmann, Steinacker und Korn "unter Verzicht auf Herrn Kermani zu verleihen".

Später wurde die Verleihung auf den Herbst verschoben, um den Preisträgern Gelegenheit zu einem klärenden Gespräch zu geben. Anlass für den Unmut der beiden christlichen Preisträger war ein Zeitungsartikel Kermanis über eine Darstellung von Jesus am Kreuz. Lehmann und Steinacker kritisierten eine Bildbeschreibung Kermanis, in der dieser ihrer Auffassung nach die Kreuzestheologie als "Gotteslästerung" ablehnte.

Axel Ayyub Köhler, Vorsitzender des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland, hat die Einigung als "späten Sieg der Vernunft" begrüßt. Besser wäre es allerdings gewesen, sagte Köhler der "Frankfurter Rundschau", "wenn die Kirchenvertreter von Anfang an weniger emotional" reagiert hätten. Im Koordinationsrat der Muslime arbeiten die vier wichtigsten muslimischen Verbände in Deutschland zusammen: der Zentralrat der Muslime, der Islamrat, Ditib und der Verband Islamischer Kulturzentren.

hut/dpa/ddp



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