Streit mit Gesundheitsministerium "Bild"-Zeitung sieht Pressefreiheit in Gefahr

"Kranker Gesundheitsspot" - so betitelte die "Bild"-Zeitung einen Werbefilm des Gesundheitsministeriums, das daraufhin die Option auf eine Anzeige in der Boulevardzeitung stornierte. Die sieht sich jetzt als Opfer.


Berlin - Die "Bild"-Zeitung und das Bundesgesundheitsministerium sind sich über einen Kino-Spot zum neuen Gesundheitsfonds in die Haare geraten. Dabei steht der Vorwurf im Raum, das Ministerium wolle durch wirtschaftlichen Druck das Grundrecht auf Pressefreiheit aushebeln.

"Bild"-Zeitung: "Mit wirtschaftlichem Druck soll missliebige Berichterstattung verhindert werden"
DDP

"Bild"-Zeitung: "Mit wirtschaftlichem Druck soll missliebige Berichterstattung verhindert werden"

Es geht um einen 400.000 Euro teuren Werbe-Spot, der im Auftrag des Gesundheitsministeriums seit vergangener Woche bundesweit in mehr als 500 Kinos gezeigt wird.

In dem Clip wird für das System der gesetzlichen Krankenversicherung geworben: mit Beispielen kostspieliger medizinischer Leistungen.

Unter der Überschrift "Kranker Gesundheitsspot" griff die Boulevardzeitung das Thema auf, nannte den Werbespot überflüssig und zitierte den FDP-Gesundheitsexperten Daniel Bahr mit den Worten: "Das ist rausgeworfenes Geld."

Im Bundesgesundheitsministerium war der Ärger über diese Berichterstattung offenbar so groß, dass Ministeriumssprecher Klaus Vater kurzerhand eine für Anfang Januar geplante Anzeige in der "Bild"-Zeitung stornierte. Zudem kündigte er an, die Schaltung weiterer Anzeigen kritisch überprüfen zu lassen.

"Mit wirtschaftlichem Druck soll missliebige Berichterstattung verhindert werden", wetterte die "Bild"-Zeitung daraufhin in ihrer Ausgabe vom Donnerstag.

Kritik kam am Donnerstag auch vom Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken: "Das Gesundheitsministerium will kritische Berichterstattung mit Anzeigenentzug bestrafen. Das ist unglaublich und verstößt gegen alle Regeln des freien und kritischen Journalismus." Ließen sich Journalisten "durch solche Praktiken einschüchtern (...), gäbe es bald nur noch Hofberichterstattung".

Ministeriumssprecher Vater wies diese Vorwürfe zurück: "Das hat nichts mit Boykott und Zensur zu tun", sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Es sei die Pflicht der Regierung, die Bürger auch auf solche Weise zu informieren. Den Artikel über den Kino-Spot nannte er "unsachlich", weil er eine "gute Sache madig" mache. Bei der "Bild"-Zeitung habe man keine bereits gebuchte Anzeige storniert, sondern lediglich eine Option.

chc/dpa



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