Streit um Contergan-Film WDR geht in Berufung

Im Rechtsstreit um den TV-Film "Nur eine einzige Tablette" über den Contergan-Skandal der fünfziger Jahre gehen der WDR und die Produktionsfirma Zeitsprung in Berufung. Das Hamburger Landgericht hatte im Juli einstweilige Verfügungen gegen den Film bestätigt.


Köln - Der fiktionale Film entspreche den historischen Ereignissen, betonte Zeitsprung-Geschäftsführer Michael Souvignier im Hinblick auf die Berufung, die er und der für "Nur eine einzige Tablette" verantwortliche WDR heute beim Hamburger Landgericht einreichten. "Er sei ein Kunstwerk und entstelle niemanden." Der Zweiteiler arbeitet den Arzneimittel-Skandal um das Medikament Contergan der fünfziger und sechziger Jahre auf.

Das Landgericht hatte im Juli einstweilige Verfügungen gegen die Ausstrahlung des Films weitgehend bestätigt . Sie waren auf Antrag der Contergan-Herstellerfirma Grünenthal sowie des Opferanwalts Karl-Hermann Schulte-Hillen erlassen worden. Das Gericht habe seine Entscheidung auf eine Drehbuchfassung gestützt, obwohl der fertige Film vorgelegt worden sei, kritisierte der WDR heute. Das Gericht habe den Film zwar als Kunstwerk eingeordnet, aber gleichzeitig den für Kunstwerke geltenden weitgehenden Schutz der Verfassung versagt.

Stattdessen habe die Pressekammer den für die Presseberichterstattung geltenden Maßstab angelegt, hieß es. Danach seien Abweichungen der filmischen Darstellung von den historischen Geschehnissen unzulässig. Eine Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu dem Fall werde es voraussichtlich erst zu Beginn des nächsten Jahres geben, hieß es.

Das von der Firma Grünenthal 1957 entwickelte Schlafmittel Contergan war in den sechziger Jahren auch gegen Schwangerschaftsübelkeit verschrieben worden. Tausende Kinder kamen daraufhin mit schweren Missbildungen zur Welt. Im Mittelpunkt des bereits im Januar fertig gestellten WDR-Zweiteilers unter der Regie von Adolf Winkelmann steht ein Anwalt (Benjamin Sadler), der selbst Vater eines contergangeschädigten Kindes ist und einen Prozess gegen das verantwortliche Pharmaunternehmen anstrengt.

bor/ddp



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