Streit um Deutsche Welle Intendant räumt "Problem" ein

Wie zu Zeiten der babylonischen Sprachverwirrung fühlt sich offenbar Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle. Tatsächlich habe das äußerst umstrittene China-Programm seines Senders ein Problem - aber kein ideologisches, sondern ein sprachliches.


Bonn/Hamburg - Nach der Kritik am chinesischen Programm der Deutschen Welle (DW) hat Intendant Erik Bettermann "in Einzelfällen" Probleme eingeräumt. "Es handelt sich um ein journalistisches, nicht um ein ideologisches Problem", betonte er allerdings am Mittwoch im Deutschlandfunk.

DW-Mitarbeiterin Zhang Danhong: Ihre Äußerungen lösten den Streit um den Sender aus
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DW-Mitarbeiterin Zhang Danhong: Ihre Äußerungen lösten den Streit um den Sender aus

Der Deutschen Welle war mehrfach und von verschiedener Seite vorgeworfen worden, in der Vergangenheit in seinen nach China ausgestrahlten Programmen und in seinem Internetangebot zu häufig und zu unkritisch chinesische Regierungspositionen übernommen zu haben.

Ausgelöst wurde die Affäre durch öffentliche Auftritte der ehemaligen stellvertretenden Redaktionsleiterin, Zhang Danhong, unter anderem bei Maybrit Illner oder in einer Diskussionssendung des Deutschlandfunk.

Die Journalistin hatte zum Beispiel behauptet, die Kommunistische Partei Chinas habe mehr als jede andere politische Kraft auf der Welt zur Verwirklichung des Artikels 3 der allgemeinen Menschenrechtserklärung beigetragen. Schließlich seien in China in den letzten 30 Jahren 400 Millionen Menschen aus der Armut befreit worden. Auch ihr Vergleich der Sperrung von Webseiten mit Kinderpornos oder von Rechtsextremen mit der Zensurpraxis in China sorgte für öffentliche Kritik.

Die kam pikanterweise auch vom Deutschlandfunk, also dem öffentlich-rechtlichen Sender, in dem Bettermann jetzt die Probleme einräumte.

Bettermann betonte nun, die Deutsche Welle sei nicht die Außenstelle der Kommunistischen Partei Chinas - hat dafür aber ein anderes Problem in seinem Haus entdeckt. Die Debatte vor allem um das chinesische Programm habe gezeigt, dass man noch sorgfältiger mit Sprache umgehen müsse.

Denn durch die Rückübersetzung der chinesischen Online-Seiten der Deutschen Welle habe sich zwar herausgestellt, "dass die Pluralität der Information gewährleistet war". Probleme bereite aber der Umgang mit der chinesischen Sprache - in der es Worte gebe, die ganz unterschiedliche Übersetzungen haben könnten.

Es sei journalistisch wichtig, dass für die Übersetzung solche Wörter in der chinesischen Sprache ausgesucht würden, die der Intention des Interviewpartners am nächsten kämen. "Und da glaube ich, müssen wir unseren Qualitätsjournalismus weiter ausbauen", sagte Bettermann.

"Das Problem haben wir an mehreren Stellen", sagte Bettermann weiter. Nach den Beratungen des Rundfunkrates der Deutschen Welle Ende November wolle er auch externe Berater hinzuziehen. "Künftig soll das Vier- oder Sechs-Augen-Prinzip noch stärker als bisher gelten."

Der Auslandssender Deutsche Welle wird aus Steuergeldern finanziert und bietet von Bonn und Berlin aus Radio und Internet in 30 Sprachen sowie Fernsehprogramme auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Spanisch an.

tdo/dpa



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