Streit um "Popetown" Kirche bleibt unerbittlich

Trotz eines Kompromissangebots des Senders MTV droht das Erzbistum München-Freising weiterhin mit rechtlichen Schritten gegen die Ausstrahlung der umstrittenen Papstsatire "Popetown".  Bei MTV geht man von positiven Reaktionen auf die erste Episode aus.


München - Das Erzbischöfliche Ordinariat bezeichnete das Vorgehen von MTV laut dpa als " perfid" und kündigte erneut an, die Ausstrahlung der umstrittenen Cartoonserie verhindern zu wollen. Der Sender hatte gestern erklärt, er werde am 3. Mai um 21.30 Uhr zunächst nur eine Folge der Serie um einen "durchgeknallten Papst" (MTV-Werbung) ausstrahlen und die Episode danach live mit Publikum diskutieren. Später soll dann gemeinsam mit den Kritikern des britischen TV-Formats über eine Fortsetzung diskutiert werden. Die vom Erzbistum bis Mittwoch geforderte Unterlassungsverpflichtung hatte der Sender nicht unterzeichnet.

Umstrittene Papstsatire "Popetown": "Empörender Vorgang"

Umstrittene Papstsatire "Popetown": "Empörender Vorgang"

MTV gab sich heute zuversichtlich, dass die Zuschauer positiv auf die erste Folge reagieren werden. "'Popetown' ist eine unterhaltsame Satire, und wir gehen davon aus, dass das Feedback der Zuschauer entsprechend sein wird", sagte eine Sprecherin des Musiksenders der dpa. Zuerst solle die "aussagekräftigste" jener drei Episoden ausgestrahlt werden, die der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) zur Prüfung vorgelegt wurden. Die FSF hat der Serie gestern eine Freigabe für das Abendprogramm ab 20.00 Uhr erteilt.

FSF-Geschäftsführer Joachim von Gottberg sagte der "Süddeutschen Zeitung", angesichts der geprüften Folgen sei es "sehr schwer nachzuvollziehen, welche Geschütze hier von den Gegnern der Sendung aufgefahren werden". Meinungsfreiheit müsse auch Menschen mit kritischer Haltung zur Kirche zustehen. Das Erzbischöfliche Ordinariat kritisierte diese Erklärung als "in höchstem Maße bedenklich". Die FSF stelle es unter Berufung auf einen gesellschaftlichen Diskurs Fernsehsendern frei, religiöse Gefühle zu verletzen. Dies sei ein "empörender Vorgang".

Das Erzbistum warf MTV vor, den Protest gegen "Popetown"  als kostenlose Publicity benutzen zu wollen. In der Sendung werde das Kreuz als zentrales Symbol des christlichen Glaubens zum "Instrument des Klamauks" herabgewürdigt. Zudem habe die Zeitschriften-Werbung für die Trickserie, die einen lachenden Jesus nach der Kreuzigung beim Fernsehen zeigt, zentrale Glaubensinhalte des Christentums "in gröbster Weise verunglimpft". Wegen der Werbeanzeige hatte der bayerische CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann gegen die Verantwortlichen von MTV Strafanzeige gestellt.

Kritik daran übten die medienpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen von SPD und FDP. Jörg Tauss (SPD) sprach von " Populismus" und dem Versuch der CSU, "sich ihrer Klientel gegenüber anzubiedern", den man "nicht allzu ernst nehmen" sollte. Christoph Waitz (FDP) nannte den Streit "viel Aufregung um nichts". Es müsse deutlich gemacht werden, "dass unsere Gesellschaft auch den Einsatz von religiösen Symbolen und die Darstellung von Religionsführern im Umfeld einer Werbung aushält".

Der Kirchenrechtler der Universität zu Köln, Stefan Muckel, glaubt nicht, dass die Strafanzeige gegen MTV juristische Folgen haben wird. Nach bestehender Gesetzeslage müsse die Beschimpfung dazu geeignet sein, den öffentlichen Frieden zu stören, so Muckel. "Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn es zu gewaltsamen Reaktionen auf Seiten von Gläubigen käme. Christen lassen sich aber in Deutschland glücklicherweise nicht mehr aus Glaubensgründen zu Gewalt verleiten."

bor/dpa



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