Streit um SS-Bekenntnis "FAZ" darf Grass-Briefe nur mit Zustimmung abdrucken

Günter Grass hatte die "FAZ" verklagt, weil diese im Zusammenhang mit seiner früheren Waffen-SS-Zugehörigkeit zwei private Briefe des Nobelpreisträgers veröffentlicht hatte. Jetzt urteilte ein Gericht: Der Abdruck bleibt verboten.


Berlin - In einem Eilverfahren untersagte das Landgericht Berlin dem Blatt die Veröffentlichung der Briefe, die Günter Grass an den früheren Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) geschrieben hatte und bestätigte damit eine einstweilige Verfügung vom Oktober vergangenen Jahres.

Literaturnobelpreisträger Grass: Seine Briefe dürfen nur mit seiner Genehmigung abgedruckt werden
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Literaturnobelpreisträger Grass: Seine Briefe dürfen nur mit seiner Genehmigung abgedruckt werden

Dem Gericht zufolge unterliegen die Briefe des Schriftstellers an Schiller dem Urheberrecht und dürfen nicht ohne Zustimmung des Autors abgedruckt werden. Grass, der nicht zum Verfahren erschienen war, hatte sich gegen die Publikation mit dem Argument gewehrt, dass es sich bei den Schreiben um persönliche Briefe an Schiller gehandelt habe. Der Anwalt der Zeitung kündigte Berufung an.

In zwei Briefen aus den Jahren 1969 und 1970 hatte Günter Grass an den SPD-Politiker appelliert, über seine NS-Vergangenheit offen zu sprechen. Die Texte waren am 29. September 2006 in der "FAZ" publiziert worden, nachdem sich Grass in seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" erstmals dazu bekannt hatte, in seiner Jugend kurzzeitig Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, was für großes Aufsehen sorgte. Kritisiert wurde vor allem das "lange Schweigen" des Nobelpreisträgers über diesen Punkt in seiner Vergangenheit.

hoc/ddp/dpa



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