Suhrkamp-Verlag Chefin kündigt Klage gegen Teilhaber an

Ein neuer Akt in der Tauzieh-Seifenoper um die "Festung Suhrkamp" beginnt: Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz will mit einer Klage gegen den Einstieg der Hamburger Investoren vorgehen. Die Verleger-Witwe gibt sich weiter kämpferisch – eine "feindliche Übernahme" werde nicht gelingen.


München/Frankfurt – Von friedlicher Weihnachtsstimmung keine Spur bei Suhrkamp: Ulla Unseld-Berkéwicz will ernst machen und die Volkart Holding/Medienholding Winterthur AG verklagen, wie der Verlag heute mitteilte. "Die Klage wird erhoben", bestätigte Verlagssprecher Thomas Sparr in Frankfurt. Damit soll der Einstieg der Hamburger Investoren Hans Barlach und Claus Grossner verhindert werden – sie erwarben die Mehrheit der Winterthur-Anteile von 29 Prozent von dem Schweizer Unternehmer Andreas Reinhart.

Suhrkamp-Chefin Unseld-Berkéwicz: Will gegen die neuen Investoren klagen
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Suhrkamp-Chefin Unseld-Berkéwicz: Will gegen die neuen Investoren klagen

Laut einer Verlagsmitteilung unterstützen Vorstand und Rat der Siegfried und Ulla Unseld-Familienstiftung mit Nachdruck den Beschluss, vor Gericht zu gehen. Zudem verurteilten sie "die Diffamierung der Verlegerin durch Hans Barlach und Claus Grossner, die sich als neue Anteilseigner bezeichnen, und auch die von Andreas Reinhart aufs schärfste". Die Holding habe trotz mehrfacher Aufforderung keine Informationen über die neuen Anteilseigner herausgegeben, so die Mitteilung. "Seit Gründung des Verlages gilt, dass kein Gesellschafter ohne Zustimmung der anderen Gesellschafter, gleich auf welchem Wege, Anteile an den Verlagen Suhrkamp Insel veräußern darf".

Die Klage stützt sich laut Suhrkamp-Anwalt Heinrich Lübbert auf drei Punkte. Obwohl die Transaktion in der Schweiz stattgefunden habe, hätten die Gesellschafter nach deutschem Recht zustimmen müssen. Das gleiche gelte für den Verkauf der AG-Anteile, sagte der Anwalt der Zeitschrift "Focus". Zudem hätten sich die neuen Aktionäre massiv gesellschaftsschädigend verhalten.

"Die Festung Suhrkamp ist uneinnehmbar", hatte Verleger-Witwe Unseld-Berkéwicz noch vor kurzem in einem Interview mit dem SPIEGEL erklärt und hinzugefügt: "Wir werden uns nicht von irgendwelchen Haifischen, Heuschrecken oder Investmentbankern übernehmen lassen".

sto/dpa



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