"SZ" gegen "Stern" Leyendecker legt sich mit Jörges an

Hans Leyendecker, Star des investigativen Journalismus, hat einen neuen Fall: eine im "Stern" erschienene Kolumne von Hans-Ulrich Jörges. Darin mache der stellvertretende Chefredakteur des Magazins falsche Behauptungen. Ein Anwalt wurde eingeschaltet.


Journalist Leyendecker: Falscher Kanzlerfreund?
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Journalist Leyendecker: Falscher Kanzlerfreund?

Die Kolumne heißt "Netzwerk Espede" und erschien im aktuellen "Stern". Ihr Verfasser, Hans-Ulrich Jörges, widmete sich darin dem "Nahkampf der Journalisten", der auf den "Wahlkampf der Parteien" folge.

Aufs Korn nahm der stellvertretende Chefredakteur des "Stern" vor allem jenen rot-grün-konformen "Gesinnungsjournalismus der siebziger Jahre", der zwar tot sei, dessen ehemalige Protagonisten aber "Phantomschmerz" plage. Gemeint war neben dem ehemaligen Chefredakteur der "Woche", Manfred Bissinger, und dem Schweizer Kolumnisten des Magazins "Cicero", Frank A. Mayer, auch Hans Leyendecker, leitender politischer Redakteur der "Süddeutschen Zeitung" und einer der renommiertesten Journalisten Deutschlands.

Leyendecker habe sich in der "SZ" erregt, "Stern" und SPIEGEL seien "früher mal im Zweifel linksliberal" gewesen" und zeige sich jetzt, anlässlich der Wahlkampfberichterstattung "fassungslos ob der unklaren Fronten". Um Leyendeckers besondere Nähe zur SPD zu unterstreichen, zitiert Jörges eine Passage aus einem Artikel des "Tagesspiegel": "Ja, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas anderes als die SPD gewählt, völlig egal, wer gerade kandidierte."

Leyendecker ist über das Zitat erbost, es stamme aus einem Porträt über ihn und unterschlage die wichtige, sich unmittelbar anschließende Passage, in der zu lesen sei, "Artikel über die SPD sei er härter angegangen, 'weil ich die Erwartung habe, dass gerade bei dieser Partei bestimmte Dinge nicht passieren dürfen'".

Der Textauszug ist noch kein Grund für gerichtliche Schritte; andere, Leyendeckers Anwalt Michael Nesselhauf zufolge unwahre Behauptungen jedoch schon. Wie die Website fairpress.biz meldete, verlangt der Rechtsbeistand des Journalisten vom "Stern" die Richtigstellung der Behauptungen:


- Leyendecker sei ein "Freund des Kanzlers";
- ein Brief von SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust an Gerhard Schröder, aus dem Leyendecker in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" am 20. September 2005 zitiert habe, sei ihm "aus dem Kanzleramt zugesteckt" worden.

Diese Behauptungen seien unwahr, heißt es im Schreiben von Leyendeckers Anwalt an Gruner&Jahr.

Kirsten Hendricks, die Justiziarin des Gruner&Jahr-Verlags, bei dem der "Stern" erscheint, sieht das anders. Man habe nicht geschrieben, Leyendecker sei ein Freund des Kanzlers, sondern nur sachlich auf Äußerungen des Journalisten Bezug genommen. Tatsächlich findet sich die Formulierung lediglich im den Jörges' Artikel ankündigenden Zwischentext unter der Überschrift. Dort ist die Rede von "Journalisten, die zurück in die alte Welt politisch sortierter Medien" wollten. "Es sind Freunde des Kanzlers". Leyendecker beziehe die Formulierung irrigerweise persönlich auf sich, so Hendricks.

Im Falle des angeblich zugesteckten Briefes bleibt man bei Gruner&Jahr beim Wortlaut des Jörges-Artikels: "Wir haben hier eine zulässige Quelle, die uns dies genauso berichtet hat."



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