Tageskarte Küche Die wilden Küchenkerle

Heute schwingen mal die Kids den Kochlöffel – und beeindrucken ihre Freunde mit einem krassen Jugend-Forscht-Molekular-Rezept, bei dem sogar der Chemielehrer staunt.

Von Hobbykoch


Das neueste Nokia Musikhandy? "Mario Kart" schon jetzt auf dem Wii? Die Limited Raw Denims von Akademiks schlackern ums Knie? Vergiss es. Darauf fällt kein dummes Provinzhühnchen mehr rein. Die Chicks von heute kriegst Du nur noch mit einem lässigen Pfannenschwenk auf Dein Jugendzimmer.

Damit zumindest wirbt die Stuttgarter "Gesellschaft zur Förderung des Gastgewerbes" in ihrem ziemlich witzigen Kino-Spot "Nur Köche machen Frauen glücklich": Da bekommt nicht etwa der von Ibiza-Partys labernde Schönling das heiße Besuchsteilchen ab, sondern sein optisch deutlich abfallender WG-Genosse, der mal eben ein paar Gambas in der Pfanne aus dem Handgelenk schüttelt.

Als ich selbst mit 16 das erste Mal ohne Eltern an einen Herd durfte, waren mir solche Hintergedanken natürlich völlig fremd. Ich spielte da bereits seit zwei Jahren Bassgitarre in Rockbands – was zu dieser Zeit sogar das eine oder andere Mädchen der nächsthöheren Klassenstufe seine strikte Abschottungshaltung nach unten überdenken ließ. Die Clique machte einmal im Monat immer dort Party, wo die Eltern gerade verreist waren. Wir hatten aber keine Kohle, um neben den vielen Bierkisten auch noch teure Pizzas bestellen zu können. Wir mussten also selber irgendwas kochen. Ich hatte null Ahnung von Topf & Tiegel und meldete mich deshalb erst mal für den Abwasch. Eine schlechte Idee, wie sich gefühlte 278 Schmutzteller später herausstellte. Seit diesem Tag konnte ich kochen, klar.

Auch wer sich jetzt, in der Ära von Köche-Hypes, Kocharenen oder als "Jumpingdinners" getarnte Singleverkuppelungsaktionen, bewusst gegen die Grundnahrungsmittel Döner, Burger und Pizza entscheidet, muss nicht gleich das perfekte Omi-Dinner aus dem Hut zaubern – für die ersten Schritte in der Küche helfen in unserer leider viel zu oft Omi-losen Zeit etliche brauchbare Einsteiger-Kochbücher weiter.

Ganz blutigen Anfängern, die gerade ihre erste eigene Wohnung bezogen haben, helfen die vielen sehr detailliert illustrierten Tipps und einfachen Rezepte von Martina Franks "cook mal – kochen für beginner" über die ersten scharfen Kochklippen hinweg. Wer noch bei den Eltern wohnt und deshalb meist auf Muttis gut bestückte Küche zurückgreifen kann, findet bei Susanne Klugs "Wir kochen für unsere Freunde" alles, was in diesem Alter wirklich Spaß macht. Klug betreibt in München die KinderKüche und trifft ohne Anbiederung genau den Ton, um 8- bis 16-Jährigen das Selber-Essen-Zusammenmatschen schmackhaft zu machen.

Mit etwas Übung kann jeder gemeinsam mit Freunden ein köstliches Menü stemmen. Jeder kocht einen Gang. Hauptgerichte sind die leichteste Übung, doch für die kniffligeren Teller davor und danach bietet Gabriele Gugetzer mit "Vorspeisen & Nachspeisen" exakt erklärte Ideen, die ohne viel Technik oder nervtötend lange Zubereitungszeiten auskommen. Und wer in jungen Jahren richtig Blut geleckt hat bei der Küchenarbeit und sich überlegt, sein Talent beruflich zu nutzen, braucht unbedingt das wunderschöne Buch "Talent & Passion", in dem Sterneköche wie Klaus Erfort, Alexander Herrmann, Johannes King, Jörg Sackmann oder Cornelia Poletto Deutschlands Profikochnachwuchs durch die sieben Stationen der gehobenen Küche führen – jeweils mit zwei echten Prüfungs-Rezepten (Gesellen- und Meister-Gericht).

Von diesen "Jeunes Restaurateurs" kann sich auch der fortgeschrittenste Hobbykoch noch eine ganze Menge abschauen – dort würden sogar meine sauschweren "Wurzelseppen" von letztem Sonntag eher bei den Gesellengerichten angesiedelt sein.

Dass modernste Molekularküche auch babyleichte Rezepte hervorbringt, mit denen man in jeder "Jugend Forscht"-Runde punkten kann, zeigen nachfolgende Glibbernudeln. Ein "echter Spaß für Jung und Alt", wie Mutti in den siebziger Jahren sagte…


Buchvermerke: Martina Frank: "Cook Mal". Gräfe und Unzer Verlag, München; 144 Seiten; 14,90 Euro.

Susanne Klug: "Wir kochen für unsere Freunde". Wilhelm Goldmann Verlag, München; 160 Seiten; 15,95 Euro.

Gabriele Gugetzer: "Vorspeisen & Nachspeisen". Gräfe und Unzer Verlag, München; 128 Seiten; 9,90 Euro.

"Talent & Passion – die Meisterschule der Jeunes Restaurateurs". Gräfe und Unzer Verlag, München; 288 Seiten; 39,90 Euro.



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tempus fugit 06.04.2008
1. Wilde Küchen'mädchen'..
Zitat von sysopHeute schwingen mal die Kids den Kochlöffel – und beeindrucken ihre Freunde mit einem krassen Jugend-Forscht-Molekular-Rezept, bei dem sogar der Chemielehrer staunt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,545414,00.html
Gehört dazu wie Sport, Lesen und Musik hören. Meine jetzt 5-jährige Enkelin klopft wie selbstverständlich die Eier in die Schüssel, entwickelt ein Gespür für Mengen und Zutaten - und nicht zuletzt kritischen Geschmack. Dass da viel gekleckert wird, gehört dazu. Wir haben sie mal zum McD gelotst weil wir meinten, dass alle Kinder nur so auf Hamburger stehen. Nach dem ersten Biss ins labbrige Brötchen: Ne, das mag' ich nicht - und hat's stehen lassen. Insgeheim hat mich das natürlich stolz gemacht....
schleckischleck 06.04.2008
2. Kinder sind keine schlechten Köche
Vielen Dank für dieses lustige Rezept, das werden wir bestimmt nachkochen. Dieses Geliermittel muss ich mir besorgen, damit kann man ja viele lustige Sachen kochen. Viele Kinder mögen noch keine Scampi, deshalb wedren wir Ihre Idee gern aufgreifen, das mal mit Fischstäbchen zu probieren. Ich bin gespannt, ob meine Kinder das ohne Sauce essen wollen, aber notfalls gibt es halt ein bißchen zerlassene Butter dazu. Vielen Dank für diese tolle Anregung!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.