Tageskarte Küche Kürbis-Massaker beim Kindergeburtstag

Wenn uns am Mittwoch abend wieder Horden von Halloween-verseuchten Kleinkinder-Untoten schleimige Kaugummis auf die Türklingel schmieren, müssen wir uns nicht kampflos ergeben. Ambitionierte Köche schießen zurück - mit zart schmelzendem Butternutkürbis-Espuma.

Von Hobbykoch


Es muss ein Virus sein, das große Teile unserer Bevölkerung jedes Jahr pünktlich Ende Oktober befällt. Und wie viele postmoderne Übel kommt auch diese Nerverei aus den USA: "Halloween" stammt von "All Hallows' Eve" (Vorabend von Allerheiligen) ab, und angeblich sollen hierzulande schon die Kelten in dieser Nacht ihr Samhain-Fest gefeiert haben. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich die Kelten-Kids damals alberne Kürbisse aufgesetzt und von wildfremden Felljackenheiden lautstark Met-Bonbons erpresst haben.

Mich erwischten sie vergangenes Jahr. Eine durchgeknallte Dutzendschaft zuckergeiler Knirpse enterte den Hausflur, drei oder vier dieser Bestien schafften es, sich zu mir in den Aufzug zu quetschen. Ihr "Süßes oder Saures!" parierte ich energisch mit "Schnauze sonst Beule!".

Doch der antiautoritäre Mini-Mob ließ sich davon nicht einschüchtern. Mit windmühlenartigen Armbewegungen und einem mehr schlecht als recht imitierten Michael-Myers-Gesicht hielt ich sie mir halbwegs vom Leib, rettete mich schweißgebadet in die Wohnung und entdeckte dort die fürchterliche Rache der Kürbisköpfe: die komplette Rückseite meiner Barbourjacke war mit schmierigen Kaugummiresten verklebt, die Spezialreinigung kostete mich schlappe 25 Euro.

Dieses Jahr bin ich klüger, bleibe zu Hause und koche meiner Frau Silvie ein feines Herbstgericht aus zwei verschiedenen Kürbissorten. Das ist nicht besonders viel angesichts der mehr als 850 verschiedenen Varianten dieser Frucht, zu deren Familie auch Gattungen wie Gurken, Melonen und Zucchini gehören.

Auf vielen Märkten sehen wir in diesen Wochen hübsch arrangierte Fruchtberge, oft sorgfältig aufgeteilt in essbares Gemüse und giftige Zier-Kürbisse. Als Laie sollte man im Zweifelsfall lieber den Kaufmann/Bauern fragen. Unverdächtig sind prinzipiell der orange Muskatkürbis, der rote Hokaido (gibt es auch in dunkelgrün), der längliche, gelbe Butternut, die eher zum Füllen geeignete Bischofsmütze und der etwas wässrige Patisson. Die überformatigen Halloween-Kürbisse sind besser zu schnitzen als zu essen.

Vor allem Kürbisse, die aus Wildsamen selbst im Garten gezogen wurden, muss man stets erst mal roh versuchen. Schmeckt er bitter: aushöhlen und ein Teelicht rein stellen. Denn der bittere Geschmack stammt von Cucurbitacinen, das sind giftige tetrazyklische Triterpene, die bei gesunden Menschen Übelkeit und Magenkrämpfe, bei Kindern, Senioren oder Geschwächten sogar einen Kreislaufkollaps hervorrufen können.

Ansonsten sind die Kürbisse extrem gesunde, vielfältig zubereitbare und außergewöhnlich lang haltbare Essensgenossen, die unsere volle kulinarische Aufmerksamkeit verdienen. Mit 90 Prozent Wasseranteil, nur 25 Kilokalorien pro 100 Gramm und glykämisch auf der guten Seite stehenden Kohlehydraten lässt sich der Kürbis von süß bis salzig zubereiten und macht auch als Püree-Beilage, Suppe, gratiniert, gebacken oder als Gnocchi eine gute Figur.

Nachfolgende Schaumsuppe ist inspiriert von Deutschlands bestem Koch Harald Wohlfahrt und verleiht dem ohnehin sehr cremigen Butternut eine ungeahnte Luftigkeit. Bitte üben Sie diesen speziellen Umgang mit dem Sahne-Syphon, bevor die Gäste kommen – am besten in der Spüle. Wenn Sie nach dem Essen noch etwas Espuma im Druckbehälter haben und von einem dieser wild gewordenen Halloween-Gören mit der Wasserpistole bedroht werden, wissen Sie ja, womit Sie zurückschießen können.

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insgesamt 4 Beiträge
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sieghartpaul 28.10.2007
1. Die Vielfalt neben der Suppe - Kürbis an sich
Der Hokkaido ist mir doch der schmackhafteste. Aus den Balonfrüchten lassen sich so vielfältige Gerichte Zaubern. Das glibbrige Zeug von Großmutter sei vergessen. Habe die Scheiben des Kürbis auch schon einfach paniert und wie ein Schnitzel gebraten. Der Sieg des Einfachen. Risotto, Auflaufrezept und weiteres sind auf dem werbefreien, lustig-intelligenten Blog www.volkskueche.net unter Gemüse-Kürbis zu finden.
Graubi, 28.10.2007
2. Fasching??
Was ist überhaupt aus dem guten alten Fasching (Fastnacht, Fasenet, Karnevall oder wie auch immer) geworden?? Ist das nur noch ne Sause für das ZDF und ein paar befehlsmäßig lustige Rheinländer? DAS war doch früher mal die Zeit für die Kinder, um die Häuser zu ziehen und Leute nach Süßigkeiten zu "erpressen"!! )))
schleckischleck 28.10.2007
3. Was haben Sie denn gegen Kinder?
Hallo Herr Wagner, das ist ein schönes Rezept, das ich aber mangels Siphon nicht nachkochen kann. Was ich mich aber schon fragen muß ist, was Sie denn gegen Kinder haben. Für unsere Kinder ist Halloween immer ein großer Spaß und sie machen bestimmt nichts kaputt dabei. So wie Sie über Kinder schimpfen, wundert es mich nicht, daß Sie auch mal einen Kaugummi abkriegen! Grüße
bugmenot, 28.10.2007
4. nö
Zitat von schleckischleckHallo Herr Wagner, das ist ein schönes Rezept, das ich aber mangels Siphon nicht nachkochen kann. Was ich mich aber schon fragen muß ist, was Sie denn gegen Kinder haben. Für unsere Kinder ist Halloween immer ein großer Spaß und sie machen bestimmt nichts kaputt dabei. So wie Sie über Kinder schimpfen, wundert es mich nicht, daß Sie auch mal einen Kaugummi abkriegen! Grüße
Er drückt wohl eher seinen Sarkasmus darüber aus, dass die armen Kinder voll auf diese Erfindung des Einzelhandels (Halloween in Deutschland) reingefallen sind. Als nächstes kommt dann Ramadan, Bar Mizwa oder Jugendweihe...
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