Tageskarte Kunst Schäfchenzähler und Kerbhölzer

Wussten Sie, dass Kaninchen sich nach der Fibonacci-Reihe fortpflanzen und Schneckenhäuser die Form einer logarithmischen Spirale haben? Nein? Dann schauen Sie sich am besten die Mathematik-Ausstellung "Zahlen, bitte!" in Paderborn an.


Wer in der Schule in Mathe eine Null war, stößt auf Verständnis, wer zugeben würde, dass er weder Tennis noch Fussball spielt und auch nicht Reiten, Surfen oder Skifahren kann, der ist uncool und wird mit sozialer Ächtung bestraft. Schüler, denen Mathematik Spaß macht, gelten vielen als Streber, das Fach als langweilig und kompliziert. Das soll sich ändern, sagte der Präsident der Deutschen Mathematischen Gesellschaft Günter Ziegler, als er vergangene Woche das "Jahr der Mathematik" eröffnete. Mathematik sei "bunt und spannend", und darum sollten "Kinder die Mathematik neu entdecken".

Ausstellung "Zahlen bitte! Die wunderbare Welt von null bis unendlich"

Ausstellung "Zahlen bitte! Die wunderbare Welt von null bis unendlich"

Das will die Ausstellung "Zahlen bitte! Die wunderbare Welt von null bis unendlich" im größten Computermuseum der Welt in Paderborn leisten. Wie "von der Glückszahl über Telefonnummern bis zur Gehaltsabrechnungen" die Welt der Zahlen unseren Alltag bestimmt, wird in verschiedenen Bereichen erklärt. Mit dem "Zahlenzirkus" geht es los, besonders Kindern soll das Einmaleins der Zahlen nahe gebracht werden, sie können messen, Holzäpfel fürs Bruchrechnen zerlegen, einer Schäfchenzählmaschine zusehen oder Graf Zahl aus der Sesamstraße treffen. Die "Kulturgeschichte der Zahl" zeigt den Umgang von Naturvölkern mit den Rechenkünsten und ihre Hilfsmittel wie ein vermutlich 20.000 Jahre altes "Kerbholz".

Besonders schön und anschaulich sind "Zahlen in der Natur" – ein Schneckenhaus hat die Form einer logarithmischen Spirale, Kaninchen pflanzen sich nach der Fibonacci-Reihe fort, die auch das Aussehen von Blumenkohl und Ananas bestimmt. Die Abteilung "Glückszahlen" klärt auf, warum die Flugbahn einer Roulettekugel sich nicht voraussagen lässt und was es bedeutet, dass die Chancen für sechs Richtige mit Superzahl etwa bei 1:160 000 000 stehen. Schlechte Aussichten für ein sorgloses Leben. Auch das Knacken vom Tresor-Schloß mit Zahlenkombinationen ist unwahrscheinlich, kann aber in der Ausstellung geübt werden.

Eine wunderbare Wissenschaft, die vermeintliche Zufälle und Mysterien erklärt und in der das richtige Ergebnis feststeht, und nicht in Diskutierclubs und Kuschelecken verhandelt werden kann. Der Mathematiker Walter Krämer spricht zum Beispiel in der begleitenden Vortragsreihe über "Unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeiten".

Mit dem Preis der Preise aller Wissenschaften wird allerdings keiner der klugen Köpfe rechnen können, weil es keinen Nobelpreis für Mathematik gibt. Doppelt traurig für Thomas Gottschalk, der "eigentlich gern Nobelpreisträger für Mathematik" geworden wäre. "Ich habe völlig versagt" hat er mal zugegeben und wahrscheinlich vorher statistisch berechnen lassen, dass sein Mathe-Versager-Geständnis seiner Beliebtheit keinen Abbruch tun würde. Mathematik braucht man halt dauernd im Leben.


"Zahlen, bitte! Die wunderbare Welt von null bis unendlich". Paderborn. Heinz Nixdorf Museums-Forum. 1.2.–18.5.,Tel. 05251/30 66 00. www.hnf.de



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