Fotograf des "Tank Man" Charlie Cole ist tot

Mit dieser Aufnahme lieferte Charlie Cole das Symbolbild der Proteste auf dem Tiananmen-Platz: der "Tank Man", der sich in Peking den Panzern in den Weg stellt. Nun ist der Fotograf gestorben.

Mit diesem Motiv gewann Charlie Cole 1990 den World Press Photo Award - hier durch die Linse seines Kollegen Jeff Widener gesehen, der zur selben Zeit am Tiananmen-Platz fotografierte
Jeff Widener/ AP

Mit diesem Motiv gewann Charlie Cole 1990 den World Press Photo Award - hier durch die Linse seines Kollegen Jeff Widener gesehen, der zur selben Zeit am Tiananmen-Platz fotografierte


Ein Mann gegen einen Konvoi von Panzern: Mit dieser Momentaufnahme im Juni 1989 wurde der Fotograf Charlie Cole berühmt. Sein "Tank Man"-Foto dokumentierte die Niederschlagung der Proteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz. Es ging um die Welt als ein Symbol für friedlichen Protest. Nun ist Charlie Cole im Alter von 64 Jahren in seiner Wahlheimat Indonesien gestorben. Das teilte das US-Außenministerium mit.

Cole stammte aus Texas. Er lebte seit einigen Jahren auf der Ferieninsel Bali. Für sein Foto hatte er 1990 den World Press Photo Award gewonnen.

Identität des "Tank Man" bis heute ungeklärt

Die chinesische Armee war in der Nacht zum 4. Juni 1989 mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die auf dem Tiananmen-Platz für mehr Demokratie demonstrierten. Hunderte, nach einigen Schätzungen sogar mehr als tausend Menschen, wurden getötet.

Coles berühmtes Foto zeigt einen unbekannten Mann, der sich am 5. Juni 1989 den heranrollenden Panzern auf dem Platz des Himmlischen Friedens entgegenstellt.

Mehrfach versuchte damals der erste Panzer, um ihn herumzufahren, doch jedes Mal stellte der Mann sich ihm wieder in den Weg. Er stieg auf den Panzer, versuchte, mit der Besatzung zu sprechen, sprang wieder ab, stellte sich erneut dem anfahrenden Panzer entgegen. Schließlich wurde er von zwei Männern weggezogen. Die Identität des Mannes und sein weiteres Schicksal sind bis heute unbekannt.

Cole sagte später über das Foto, er habe gefürchtet, der Mann werde getötet werden. Es sei deshalb seine Verantwortung gewesen, die Szene festzuhalten. Weil Cole mit einer Durchsuchung rechnete, versteckte er die Filmrolle im Badezimmer seines Hotels. Auch heute sind die Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz ein umstrittenes Thema in China. Es gibt keine öffentlichen Angaben zu den Menschen, die damals starben. Das Bild Coles ist im Land bis heute verboten.

Auch andere Fotografen hielten die Szene auf dem Tiananmen-Platz fest. Der AP-Fotograf Jeff Widener etwa erhielt für seine Aufnahme den Pulitzer-Preis.

Anmerkung der Redaktion: Das oben gezeigte Foto ist nicht die Aufnahme von Cole, sondern die des unten genannten Jeff Widener. Das Bild von Cole, das fast exakt den gleichen Ausschnitt zeigt, stand den Fotoagenturen am Samstag nicht zur Verfügung.

mst/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.