Tanztheater Beine im Bausch-Rausch

Wer würde sich nicht gern von der Grande Dame des Tanztheaters Beine machen lassen? Dann rennen Sie mal los! Denn Pina Bausch lädt im Herbst Choreografen aus aller Welt zu einem großen Fest ein - und noch gibt es Karten.


Dass Freunde des Tanztheaters zu einer seltenen Spezies gehören, weiß man schon länger. Denn wer mag jetzt, an den längsten Tagen des Jahres, schon an den November denken? Tanztheaterfans allerdings haben einen guten Grund dafür: Vom 7. bis 30. November findet unter dem Titel "3 Wochen mit Pina Bausch" in Nordrhein-Westfalen ein erlesenes Tanzfestival statt. Der Name der Website trifft den Charakter denn auch eher: Es wird ein "Fest mit Pina". Neben Produktionen von Pina Bausch selbst sind erstklassige Gastspiele aus aller Welt zu sehen. Der Vorverkauf ist schon in vollem Gange.

Pina Bausch, 68, ist unbestritten die Grande Dame des Deutschen Tanztheaters – anders gesagt: "Wenn es einen Nobelpreis für Tanz gäbe, wäre sie neben dem greisen Amerikaner Merce Cunningham gewiss einer der ersten Anwärter" ("FAZ"). Dass viele der Pina-Bausch-Abende schon mehr oder weniger ausverkauft sind, ist also keine Nachricht. Nein, die Nachricht lautet in diesem Fall: Es gibt noch Karten, auch für einige Pina-Bausch-Stücke!

So etwa für "Nefés", ihr Stück von 2003, das sie in Essen zeigt, und auch für ihre gerade erst in Paris wiederaufgeführte Tanzoper "Orpheus und Eurydike", die in Düsseldorf zu Gast sein wird. In Wuppertal, der Heimat ihrer Compagnie, zeigt Bausch außerdem ihren legendären "Kontakthof" – einmal in der bekannten Fassung "mit Damen und Herren ab 65", einmal in einer Neufassung "mit Teenagern ab 14". Klar, für welche der Vorstellungen das Kartenkontingent bereits erschöpft ist, oder?

Natürlich bildet das umfangreiche Werk von Pina Bausch einen eigenen Kosmos, aber es gibt auch andere, jüngere Welten, die es sich lohnt zu entdecken: die von Bruno Beltrão zum Beispiel, dem jungen, vom HipHop beeinflussten Choreografen aus Brasilien; oder die von Sidi Larbi Cherkaoui, der sein Stück "Apocrifu" präsentiert, das er zu korsischen, a capella gesungenen Liedern entwickelt hat. Auch Meg Stuart, die seit einigen Jahren an der Berliner Volksbühne eine neue Heimat gefunden hat, ist dabei.

Es wird also ein großes Fest – zu feiern wäre, auch wenn es so nicht angekündigt ist, im übrigen der 35. Geburtstag von Pina Bauschs Tanztheater. Aber gute Feste brauchen gar nicht unbedingt einen Anlass. Der Herbst kann kommen.


3 Wochen mit Pina Bausch. Vom 7. bis 30.11. in Düsseldorf, Essen, Wuppertal.



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