Telefonscherz-Skandal BBC suspendiert Sex-Talk-Moderatoren

Zwei BBC-Moderatoren verspotten einen Schauspieler mit obszönen Telefonanrufen. Der Sender suspendiert die Spaßvögel, kommt aus der Bredouille aber nicht heraus. Englands renommiertestes Funkhaus hat ein schlimmes Image-Problem.


London - Die öffentlich-rechtliche britische Rundfunkanstalt BBC steht am Pranger, nachdem die Radiomoderatoren Russell Brand und Jonathan Ross bei dem 78-jährigen Schauspieler Andrew Sachs (bekannt als Ober Manuel aus der TV-Serie "Fawlty Towers") angerufen und behauptet hatten, Brand habe Sex mit der 23 Jahre alten Enkelin des Darstellers gehabt. Auch das tabuisierte "F-Wort" kam wohl zum Einsatz.

Moderator Brand: Obszönes Sendebewusstsein
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Moderator Brand: Obszönes Sendebewusstsein

Die beiden Spaßvögel sind umstrittene Figuren in Englands Medienlandschaft: Brand wurde beim Musiksender MTV gefeuert, weil er sich nach den Anschlägen vom 11. September als Osama Bin Laden verkleidet hatte. Ross ist mit umgerechnet 7,5 Millionen Euro Jahresgage der bestbezahlte Moderator der BBC. Jetzt können beide erst mal Pause machen: Sie wurden bis auf Weiteres suspendiert.

Die Boulevardzeitungen greifen den Fall begierig auf und zitieren genüsslich besagte Enkelin, die Ross und Brand ihrerseits als "gemeine Perverslinge" bezeichnet.

Und auch die seriösen Zeitungen empören sich über die BBC. "Es ist unser nationaler Rundfunk, und wir alle zahlen dafür - und das schließt auch die inflationären Gehälter für Leute wie Ross ein", wettert der "Daily Telegraph".

Nach der massiven Kritik entschuldigte sich BBC-Generaldirektor Mark Thompson persönlich für den "geschmacklosen Fehltritt".

Der Skandal hat die Debatte über die Notwendigkeit des gebührenfinanzierten Rundfunks im Königreich neu befeuert. Dass Moderatoren wie Ross Millionengehälter aus dem Gebührentopf bekommen und zur gleichen Zeit Hunderte Stellen bei der BBC abgebaut werden, ärgert viele Briten.

Sogar der Premierminister hat sich eingeschaltet. Schließlich ist die causa Sachs nur eine von mehreren Katastrophen, die das Image der BBC - die in vielen Ländern als Maßstab für seriöse Berichterstattung gilt - beschädigen.

Angefangen hat die Pfuscherei im vergangenen Jahr mit einem Patzer, der bis ins Königshaus reichte. Damals hatte die BBC einen Videoclip für eine Dokumentation über die Queen falsch zusammengeschnitten und über die Medien verbreitet. Dafür musste sich der Sender bei der Monarchin entschuldigen. Später wurde die BBC zu Bußgeldern verdonnert, weil Anrufsendungen manipuliert worden waren.

Im Fall Brand/Sachs ermitteln mittlerweile die Medienaufsicht Ofcom und der Sender selbst. Wie es zur Ausstrahlung der vorab aufgezeichneten Sendung kommen konnte, ist bislang unklar.

Das Vertrauen in die BBC scheint jedenfalls schwer erschüttert. So erklärte der ehemalige Direktor des BBC World Service, John Tusa, die BBC habe das Bestreben, jüngere Hörer und Zuschauer anzusprechen, "auf monumentale und tragische Art und Weise falsch verstanden".

Mit Material von dpa



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