Televisionen Wo sind nur die Drombuschs hin?

Das ZDF zeigt an fünf Abenden das neue Werk des "Drombuschs"-Autors Robert Stromberger - eine Tapferkeit, die besonderen Respekt verdient. Heinz Hoenig tanzt derweil den Todestanz eines Killers zum Fado in Lissabon. Die SPIEGEL ONLINE-Fernsehfilmvorschau...

Von Christian Bartels


"Ein unmöglicher Mann": Mit der Hochzeit von Anneli (Svenja Pages) und Axel Ehrlich (Staphan Kampwirth) nimmt das Verhängnis seinen Lauf
Foto: ZDF

"Ein unmöglicher Mann": Mit der Hochzeit von Anneli (Svenja Pages) und Axel Ehrlich (Staphan Kampwirth) nimmt das Verhängnis seinen Lauf

Waren das noch Zeiten, als das ZDF der Konkurrenz den "Drombusch-Schock" versetzte. 20 Millionen Zuschauer sahen am Jahresanfang die herzlich-hessische Familienserie mit Witta Pohl und Günter Strack. Was vor allem dem Autoren Robert Stromberger zu verdanken war. Der ist inzwischen 70 Jahre alt und schreibt immer noch Drehbücher fürs ZDF. Allerdings spannte der Sender den alten Herrn aus Darmstadt nun mit einem jungen Regisseur zusammen, der bereits Redakteur bei Pro Sieben war - sozusagen als stilistischen Kontrapunkt.

Allzu harmonisch scheint es am Set von "Ein unmöglicher Mann" dann auch nicht zugegangen zu sein: Stromberger hat seinen Namen als Drehbuchautor zurückgezogen. Das Skript habe Regisseur Thomas Berger "nach Geschichten von Stromberger" geschrieben, lautet nun die Sprachregelung. Gut unterrichtete Kreise munkeln, unter anderem sei der Autor verstimmt, weil sein sechsteilig geschriebenes Werk nur als Fünfteiler (erste Folgen: So., 11.3./ Di., 13.3., jeweils 20.15 Uhr im ZDF) gedreht wurde. An zu wenig Teilen allerdings liegt es bestimmt nicht, dass diese lebensweise Liebesgeschichte keinen zweiten Drombusch-Schock auslösen wird...

Axel Ehrlich (S. Kampwirth) kommt gerade recht zu Annelis (S. Pages) Autopanne...
Foto: ZDF

Axel Ehrlich (S. Kampwirth) kommt gerade recht zu Annelis (S. Pages) Autopanne...

Seit zwölf Jahren Student, geht Axel Ehrlich (Stephan Kampwirth) sorglos, aber hilfsbereit durchs Leben. Ein hübsch ausgedachter Motorradunfall führt ihn in die Arme der angehenden Apothekerin Anneli (Svenja Pages). Die beiden gehen gemeinsam einkaufen, er rollt sie mit ihrem Gipsfuß beschwingt durch den Supermarkt - so muss man zur Wirtschaftswunderzeit geflirtet haben. Bald sind sie verheiratet, ein Jahr drauf aber ist das Glück wieder dahin: Axel erwartet seinen Scheidungstermin und sitzt zudem noch in Untersuchungshaft.

Das Skript widmet sich weniger dem Fortgang der Geschichte, als vielmehr der Frage, wie es so weit kommen konnte. Davon erzählen Berger/Stromberger sehr lang, breit und verschachtelt. Sympathisch ist außer dem ambitionierten Zug zur Puzzle-Erzählform auch der Wille, das Epische im Alltag zu entdecken. Es wimmelt von Typen aus dreieinhalb Jahrzehnten bundesdeutscher TV-Geschichte, die Stromberger seit den "Unverbesserlichen" (mit Inge Meysel als "Mutter der Nation") geschrieben hat: Axel wohnt bei seinem gutmütigen Onkel und "Ziehvater" Hubert, sein betuchter Freund Wölfi (Michael Roll) ist ein cleverer Playboy. Ein wohlhabender Jungapotheker ist dabei, und Jennifer Nitsch spielt eine "attraktive Ärztin für alternative Medizin". Ein ehemaliges Fotomodell ist zum "Begleit-Service für Geschäftsleute" verkommen (was tut das deutsche Fernsehen Denise Virieux an?), ein "gebieterischer Kurschatten" namens Frau Schmitt-Oedenthal (was tut das deutsche Fernsehen Rosel Zech an?) mischt auch mit, und für Komik sorgt die schwerhörige Haushälterin mit ihrem grauslig pfeifenden Hörgerät. Überdies tritt Justizia auf, Göttin der Gerechtigkeit, deren körperlose Stimme Axel anfangs anspricht und ihm fortan mal als eine Art innerer Monolog mit der Schärfe einer Telefonsex-Domina ins Gewissen redet, mal mit ihm zusammen - als er im offenen Oldtimer durch München braust - "Somewhere Over The Rainbow" singt.

Auch Heinz Hoenig wollte endlich mal einen coolen Killer spielen...
Foto: SAT.1

Auch Heinz Hoenig wollte endlich mal einen coolen Killer spielen...

Wahrscheinlich muss man sich den alten Herrn Stromberger wie Onkel Hubert vorstellen. Der ist passionierter Antiquar und ahnt, dass die Zeit für jene Dinge, die ihm am Herzen liegen, abläuft, und dass das, was danach kommt, dem Alten nicht das Wasser reichen kann. Otto Tausig spielt ihn äußerst liebenswert. Dazu passt die luftige Inszenierung mit ihrer immer leicht bewegten Kamera, für die Regisseur Berger das viele Geld dezent ausgegeben hat. Dieses Seifen-Epos ist weder spektakulär, noch schlecht, sondern derart jenseits von Gut und Böse, dass es irgendwie anrührt. Wer an dem einen oder anderen der fünf Abende nichts Besseres zu tun hat, sollte aus Solidarität mit der verdienstvollen Fernsehspiel-Abteilung des ZDF den Fernseher laufen lassen. Wer an allen fünf Abenden nichts Besseres zu tun hat, verdient allerdings auch Mitleid.

Kein Mitleid für Heinz Hoenig

Kein Mitleid verdient Heinz Hoenig, der sich in "Die zwei Leben meines Vaters" (Di., 13.3. Sat.1 20.15 Uhr) mal wieder als Robert De Niro des deutschen Fernsehens aufführt. Bei De Niro ist es ja so: Wenn ihm eine Szene einfällt, die er in seiner großartigen Karriere noch nie gespielt hat, dann spielt er sie, und zwar sofort. Worum genau es in dem Film geht, der gerade gedreht wird, ist da zweitrangig. Der dankbare Regisseur drückt ein Auge zu und De Niro lässt das Filmteam an seiner Schauspielkunst teilhaben.

Derweil vergnügt sich sein (Film-)Sohn Ben (Matthias Koeberlin) unwissentlich mit seiner Schwester Stormy (Muriel Baumeister)
Foto: SAT.1

Derweil vergnügt sich sein (Film-)Sohn Ben (Matthias Koeberlin) unwissentlich mit seiner Schwester Stormy (Muriel Baumeister)

Hoenig scheint ähnlich impulsiv zu drehen. Jetzt (Regie: Olaf Kreinsen, Buch: Martin Kluger) wollte er mal einen coolen Killer spielen, der seinen Todestanz in Lissabon zum Fado tanzt. Selbstverständlich wird er nicht umgelegt, muss aber doch am Ende sterben, weil er Krebs hat. Und dann wollte Hoenig offenbar noch diese Szene von alttestamentarischer Emotionalität spielen, in der der Vater den eigenen Sohn töten zu wollen scheint: Deshalb führt der Killer ein Doppelleben in zwei Städten, und sein Sohn, der ihm heimlich folgte, wird von den Hintermännern entdeckt. Abgesehen davon gibt es auch noch die clevere Umkehrung des Ödipus-Plots: Der Sohn, der wähnte, dem Vater die junge Frau auszuspannen, muss vom Sterbenden erfahren, dass die Geliebte seine Schwester ist. Nach Hoenigs Filmtod müssen die Geschwister folglich Abschied für immer von einander nehmen. Was immerhin gut zum traurigen Fado passt...

Außerdem neu:

Sa., 10.3. ZDF 20.15 Uhr: "Denninger - Der Mallorcakrimi"
(Regie: Daniel Helfer, Buch: Jürgen Pomorin)
Neue Krimireihe um einen deutschen Detektiv auf Mallorca
So., 11.3. ARD 20.15 Uhr: "Tatort: Trübe Wasser"
(Regie: Thomas Freundner, Buch: Horst Freund, Thomas Wittenburg)
Neuer Fall für die Leipziger Kommissare (Peter Sodann, Bernd Michael Lade): Ein Geheimnis aus dem Jahre 1989 hat mörderische Spätfolgen


Mo., 12.3. ZDF 20.15 Uhr: "Du oder keine" (Regie: Marco Serafini, Buch: Serafini, Susanne Hertel)
Hotelportier verliebt sich in internationales Starmodel (Carol Campbell)


Di., 13.3. RTL 20.15 Uhr: "Doppelter Einsatz München: Trennung ist der Tod"
(Regie: Uli Möller, Buch: Jens Jendrich)
Jetzt hat auch Bayern ein Kommissarinnen-Duo (Saskia Vester, Naomi Krauss)


Mi., 14.3. ARD 20.15 Uhr: "Marga Engel schlägt zurück"
(Regie: Helmut Metzger, Buch: Knut Boeser)
Marianne Sägebrecht als pfundige Köchin, die einen betrügerischen Baunternehmer reinlegt


Fr. 16.3. ARD 20.15 Uhr: "Ich pfeif auf schöne Männer"
(Regie: Helmut Metzger, Buch: David Ungureit)
Jennifer Nitsch als Karrierefrau mit Liebeskummer


Fr. 16.3. Arte 20.45 Uhr: "Mörderinnen"
(Regie: Pepe Danquart, Buch: Brendan Somers)
Begegnung zwischen aus dem Gefängnis entlassener Mörderin und der Tochter ihres Opfers




© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.