Torwart-Witwe Teresa Enke Mit dem Anwalt gegen das Gorki-Theater

"Demenz Depression und Revolution" - so heißt das Stück, das Intendant Armin Petras zu seinem Abschied vom Berliner Gorki-Theater aufführt. Darin kommt ein depressiver Fußball-Torhüter vor, als Vorbild ist Robert Enke zu erkennen. Dagegen verwahrt sich dessen Witwe nun mit anwaltlicher Hilfe.
Szene aus "Demenz Depression und Revolution": "Laden Frau Enke herzlich ein"

Szene aus "Demenz Depression und Revolution": "Laden Frau Enke herzlich ein"

Foto: Bettina Stöß

Berlin/Hamburg - Die Kritiken in den Feuilletons waren gemischt. Aus drei Kapiteln besteht das Theaterstück "Demenz Depression und Revolution", über das mittlere schrieb die "taz", es sei ein "stringentes Kammerspiel". Die "FAZ" fand, hier werde eine "Biographie ziemlich rührselig direkt ins Publikum erzählt". Und die "Süddeutsche Zeitung" urteilte: "Im Fußball würde man vielleicht von einem glanzfreien Arbeitssieg ohne Foulspiel sprechen."

Ohne Foulspiel? Genau da ist Teresa Enke anderer Meinung. Denn unschwer ist ihr 2009 verstorbener Mann Robert hinter der Figur des depressiven Torwarts im 55-minütigen Mittelteil zu erkennen. Robert Enkes Freitod als Theaterstück: Grund genug für die 36 Jahre alte Witwe, ihre Anwälte einzuschalten. Denn ohne ihre Einwilligung als Rechte-Inhaberin sei das Schicksal des früheren Fußball-Nationaltorwartes, der sich nach schweren Depressionen das Leben nahm, vom Berliner Maxim-Gorki-Theater aufgeführt worden.

"Das Stück entspricht inhaltlich dem Buch von Ronald Reng. Nur der Name wurde verändert und der Schauplatz Hannover nach Braunschweig verlagert", sagt Teresa Enkes Berater Jörg Neblung, früherer Manager des Torhüters. Der 45-Jährige macht klar: "Vor Erscheinen des Buches wurden die Rechte für eine mögliche Verfilmung bzw. Theater-Aufführung ausdrücklich ausgeklammert. Sie liegen, entgegen der Darstellung des Maxim-Gorki-Theaters, nicht beim Verlag, sondern bei Teresa Enke, die damit von Anfang an verhindern wollte, dass der Stoff ungefragt inszeniert wird."

Dies bestätigte der Piper-Verlag, in dem das Buch "Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben" erschienen ist, auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID). "Wir besitzen weder die Film- noch die Theater-Rechte", erklärte eine Sprecherin des Unternehmens. "Verlag und Autor wurden nie gefragt, Teresa Enke nicht einmal informiert", sagt Neblung. Zudem wurde vergangenes Jahr auch noch Teresa Enkes Status als "Person des öffentlichen Lebens" ausgesetzt um ihre Privatsphäre zu schützen. Neblung: "Dies wurde per Anwalt allen bundesdeutschen Redaktionen mitgeteilt. Teresa Enke äußert sich öffentlich nur zu Themen der Robert-Enke-Stiftung."

Teresa Enke hat den Kölner Medienanwalt Heiko Klatt mit der Wahrnehmung ihrer Interessen betraut. Dieser wies das Theater auf die Rechtsverletzungen hin und forderte eine umgehende Stellungnahme.

Das Maxim-Gorki-Theater gab am Montag auf SID-Anfrage keine Stellungnahme ab. Hinter dem Pseudonym des Autoren Fritz Kater verbirgt sich Armin Petras, 48, Regisseur des Abends und scheidender Leiter des Maxim-Gorki-Theaters. "Demenz Depression und Revolution" ist Teil der "Kater-Tage", mit denen sich der nach Stuttgart wechselnde Petras von seinem Berliner Publikum verabschiedet. Eine Theater-Sprecherin erklärte: "Frau Enke laden wir herzlich ein, eine der kommenden Vorstellungen zu besuchen."

feb/SID/dapd
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