"The Guardian" Linksliberale Expansion über den Atlantik

Die links gerichtete britische Tageszeitung "The Guardian" streckt ihre Fühler in Richtung USA aus. Angeblich erfreut sich der Internet-Auftritt der Zeitung bei den Amerikanern immer größerer Beliebtheit. Die Briten planen nun ein eigenes Nachrichtenmagazin für den US-Markt.


New York - "Das ist nur eine Möglichkeit, die wir in Betracht ziehen, um den momentanen Erfolg des 'Guardian' in den USA auszubauen", sagte Sprecherin Isabel Milner am Montag gegenüber der "New York Times". Derzeit untersuchen die Macher der britischen Tageszeitung, ob sich ein spezielles Nachrichtenmagazin für Nordamerika lohnen würde.

Seit den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center genoss die Website der Zeitung offenbar einen rapiden Anstieg ihrer Nutzerzahlen. www.guardian.co.uk ist angeblich diejenige britische Nachrichtendomäne im Netz, die die meisten Leser außerhalb Großbritanniens hat. Allerdings, so sagte "Guardian"-Sprecherin Milner, sei es nicht möglich, aus den geschätzten sieben Millionen Nutzern die Zahl der US-Amerikaner herauszufiltern.

Trotzdem sind sich die "Guardian"-Macher ihrer steigenden Beliebtheit jenseits des Atlantiks sicher. Mit einem Nachrichtenmagazin für die USA könnte man den dortigen Zeitungsmarkt mit einer intellektuellen und liberalen Stimme anreichern. Das Magazinvorhaben stecke derzeit allerdings noch im frühesten Entwicklungsstadium.

Der "Guardian" ist einer von Großbritanniens vier großen überregionalen Tageszeitungen, zu denen auch die "Times", der "Daily Telegraph" und der "Independent" gehören. Mit einer Auflage von rund 400.000 Stück ist der links gerichtete "Guardian" größer als die traditionelle "Times", jedoch überflügeln die Auflagenzahlen des konservativen "Daily Telegraph" alle überregionale Konkurrenz - zumindest unter den Qualitätszeitungen.

Die in London produzierte Zeitung ist bekannt für ihre lebhafte Berichterstattung und ihr soziales Engagement im Bereich Bildung, Gesundheitswesen oder beispielsweise im Umweltschutz. Viele werfen dem Blatt allerdings vor, seine Berichterstattung sei einseitig und konzentriere sich vornehmlich auf Probleme von Minderheiten.



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