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13. Juni 2003, 18:00 Uhr

Theater

Jürgen Flimm wird neuer Intendant der Ruhrtriennale

Ein "alter Theatersoldat“ kommt ins Revier: Regisseur Jürgen Flimm soll ab 2005 neuer Intendant der Ruhrtriennale und der Ruhrfestspiele werden.

Von Salzburg direkt in den Ruhrpott: Theatermann Flimm
DPA

Von Salzburg direkt in den Ruhrpott: Theatermann Flimm

Gelsenkirchen/Graz - Flimm, derzeit noch Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, soll die Nachfolge von Gérard Mortier antreten, der an die Pariser Oper wechseln wird. Der Aufsichtsrat der Trägergesellschaft "Kultur Ruhr" habe den Vorschlag der Findungskommission zustimmend zur Kenntnis genommen, berichtete das nordrhein-westfälische Kulturministerium. Zuvor hatte auch der Aufsichtsrat der Ruhrfestspiele zugestimmt. Flimm soll jedoch erst am 11. Juli formell berufen werden.

Der Theatermacher selbst wollte sich noch nicht näher zu der Berufung äußern. "Natürlich freue ich mich, wenn man mich dort will", sagte Flimm, der zur Zeit in Graz mit Dirigent Nikolaus Harnoncourt Jacques Offenbachs "La Grand-Duchesse de Gérolstein" probt. Konkrete Ideen und Pläne für die Ruhrtriennale werde er erst vorstellen, wenn die Gespräche abgeschlossen seien, sagte Flimm.

Ruhrtriennale-Intendant Mortier äußerte sich zufrieden über die Entscheidung zu Gunsten Flimms. Damit sei der Fortbestand der Triennale und der Ruhrfestspiele - letztere mit Frank Castorf als künstlerischem Leiter - gesichert, sagte der Belgier.

Der Intendant der Staatsoper Stuttgart, Klaus Zehelein, nannte die Berufung Flimms eine "richtige Entscheidung". Flimm habe bei der Ruhrtriennale "weitaus bessere Möglichkeiten und Chancen, seine Vorstellungen zu realisieren als zuvor bei den Salzburger Festspielen". Durch einen Wechsel in zwei Jahren habe Flimm zudem ausreichend Zeit zur Vorbereitung. "Ich halte auch Führungswechsel für die Ruhrtriennale für sehr gut, ein langjähriger Intendant wäre viel zu langweilig für die Festspiele in Nordrhein-Westfalen". Zehelein hatte Mitte Mai von Flimm das Amt des Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins übernommen. Flimm hatte das 1999 angetretene Amt mit der Begründung aufgegeben, wieder mehr inszenieren zu wollen.

"Ein schönes Theater ist ein volles"

Flimm selbst bezeichnet sich gerne als "alten Theatersoldaten", der Aufbruch und Bewahren am Theater nicht als Gegensätze sieht. Der 61-Jährige, der im Jahr 2000 in Bayreuth den "Ring" inszenierte, löst durch seinen innovativen Umgang mit lieb gewordenen Klassikern immer wieder Kontroversen aus.

Mit künstlerischem und wirtschaftlichem Erfolg leitete Flimm von 1979 bis 1985 das Kölner Schauspiel, danach 15 Jahre lang das Thalia Theater Hamburg, das er zur bestbesuchten Bühne in Deutschland machte. "Das schönste Theater ist ein volles Theater", ließ Flimm einmal plakatieren. Doch weder in seiner Stückauswahl noch in seinen Inszenierungen macht er es dem Publikum leicht. Werke von Shakespeare, Goethe, Kleist und Brecht, dazu immer wieder Tschechow-Stücke, hat er selbst inszeniert. Dabei rückt Flimm, der auch als Opern-Regisseur weltweit einen Namen hat, meist den Einzelnen mit seinen sozialen und psychologischen Verstrickungen in den Mittelpunkt

Das Kulturfest Ruhrtriennale soll nach dem Willen der NRW-Landesregierung dem Revier mehr kulturellen Glanz verleihen. Im Drei-Jahres-Rhythmus werden dabei neue Produktionen aus allen kulturellen Sparten präsentiert.

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