Theater Thea Dorn

In ihrem Theaterdebüt lässt die Berliner Autorin, 29, zwei deutsche Diven aufeinander prallen. Das Stück wird für Furore sorgen.

Über den Weg gelaufen sind sie sich gewiss irgendwann. Bei Dreharbeiten oder auf den Straßen Berlins Anfang der zwanziger Jahre. Miteinander gesprochen aber haben sie wohl nie ­ der androgyne Vamp und das asexuelle Naturkind. Worüber auch? Beide blond, berühmt und in Deutschland nicht sehr beliebt ­ und doch könnten sie gegensätzlicher nicht sein. Wie wäre es gewesen, das Treffen? So vielleicht: ein Zimmer in Paris, ein Bett, eine Schminkkommode. Es ist der 5. Mai 1992. Die Nacht, bevor Marlene Dietrich starb. Leni Riefenstahl ­ drahtig, vital, unverbesserlich ­ klettert über den Balkon herein. Die Dietrich ­ verwahrlost, zynisch, einsam ­ erschrickt: "Ihr seid doch nicht schon wieder einmarschiert?" Sie plane ihren "letzten, größten" Film, sagt Riefenstahl; "Penthesilea" nach Kleist mit Marlene als Königin der Amazonen ­ beider Rache für 50 Jahre Missachtung. Dann beginnt der Schlagabtausch ­ "Nazi-Nutte", "Ami-Hure". Am Ende sind beide Schwestern, und eine ist tot. "Der Tonfall muss so sein wie der von 'Golden Girls' ", sagt Thea Dorn. Mit "Marleni", dem Gipfeltreffen der beiden deutschen Diven, ist der 29jährigen Autorin ein Theaterdebüt gelungen, das für Furore sorgen wird. Nicht nur weil 2001 Marlenes 100. Geburtstag gefeiert wird und ein Jahr später Lenis. "Marleni" ist sauber recherchiert und voller Situationskomik. Und doch ist es mehr als gut gemachtes Boulevardtheater, nämlich intelligent zugespitzte Zeitgeschichte und Auseinandersetzung mit Politik, Kunst und Frauenrollen. Frauen sind das Lieblingssujet von Dorn, die neben dem Schreiben Philosophieseminare an der Humboldt-Universität gibt. Ihr Theater versteht sie "als Gegenprogramm zu den Welterklärerstücken der Männer". In "Die Hirnkönigin", ihrem dritten Krimi, ist die Heldin auf der Suche nach sexuellen Phantasien, die mehr sind als nur Reflexe auf die Männerwelt. Natürlich weiß die Autorin, wie man diese Suche an den Mann bringt. Medienwirksam nannte sie sich ausgerechnet nach dem Kulturindustriekritiker Theodor W. Adorno. Und freut sich, wenn die Presse sie als "egomanisches Monster" zitiert. Sie versteht es aber auch, zwischen Privatem und Fiktivem zu trennen. Ihren echten Namen verrät sie nie, der Autor als Gesamtkunstwerk interessiert sie nicht: "Ich muss meine Fresse nicht in jede Kamera halten." Ab nächster Spielzeit geht Dorn als Dramaturgin ans Schauspielhaus Hannover. Bis dahin hat sie noch viel vor. Riefenstahl kennen lernen beispielsweise. Schon einmal wartete Dorn vor deren Haus am Starnberger See. Leni Riefenstahl war nicht zu sprechen und ihr Balkon ein Stück zu hoch. Fiona Ehlers Uraufführung: 15.1. im Schauspielhaus Hamburg, Tel. 040/24 87 13.

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