Kevin Kühnert und #NoGroKo "Titanic" foppt "Bild" mit angeblichen Russlandmails

Ein Russe namens Juri soll Juso-Chef Kevin Kühnert Hilfe bei der NoGroKo-Kampagne angeboten haben, meldete "Bild" am Freitag auf der Titelseite. Doch den Mailverkehr hatte offenbar das Satiremagazin "Titanic" lanciert.
"Titanic"-Foto zum Mail-Fake

"Titanic"-Foto zum Mail-Fake

Foto: Thomas Hintner

Laut Satiremagazin "Titanic" steckt es selbst hinter dem angeblichen E-Mail-Verkehr zwischen Juso-Chef Kevin Kühnert und einem Russen namens "Juri", welcher der "Bild"-Zeitung am Freitag eine Titelgeschichte wert war. "Neue Schmutz-Kampagne bei der SPD!" stand auf der Seite eins des Boulevardblatts, im Artikel ist von "brisanten E-Mails" die Rede.

"Juri" aus St. Petersburg soll diesen E-Mails zufolge angeboten haben, Kühnerts Kampagne gegen die Große Koalition zu unterstützen - mit Social Bots, also gefälschten Accounts. "Wir könnten in der Tat einen mächtigen Schub gebrauchen", wird die angebliche Antwort des Juso-Chefs zitiert. Vor einer von "Juri" inszenierten Meinungskampagne schreckt der angebliche Kühnert den E-Mails zufolge allerdings zurück, das sei "zu viel".

Den E-Mails zufolge soll Kühnert nach dem Lieblingsgetränk des gemeinsamen Bekannten J. gefragt haben, über den der ominöse "Juri" Kontakt zum Juso-Chef herstellen wollte. "Mio Mio Mate Ginger" war demnach die vertrauensbildende Antwort. Nun schreibt die "Titanic" vom "#miomiogate".

"Bild"-Zeitungsausgabe vom 16.02.18

"Bild"-Zeitungsausgabe vom 16.02.18

Am Ende des "Bild"-Artikels heißt es zwar: "Für die Echtheit der E-Mails gibt es keinen Beweis." Doch Medienjournalisten wie Moritz Tschermak vom "Bildblog" sahen bereits am Veröffentlichungstag Indizien für eine Fälschung. Dies bestätigte auch Kühnerts Pressesprecher, der gar von einer plumpen Fälschung sprach.

Auf den abschließenden Satz des Artikels hebt auch das "Bild"-Statement ab, das ein Sprecher auf SPIEGEL-Anfrage nun herausgab: "Die Echtheit der uns anonym zugestellten E-Mails haben wir immer deutlich in Frage gestellt und journalistisch eingeordnet: 'Für die Echtheit gibt es keinen Beweis' (BILD, 16.2.2018). Auslöser unserer Berichterstattung war die Ankündigung der SPD, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Wir sind gespannt, ob die SPD diese nun gegen Titanic richten wird."

Nun also hat sich "Titanic" als Urheber der Fälschung zu erkennen gegeben. "Titanic"-Redakteur Moritz Hürtgen, der die E-Mails lanciert haben will, in einer Meldung des Magazins : "Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe - und 'Bild' druckt alles, was ihnen in die Agenda passt." Plump sei die Fälschung jedoch nicht gewesen, so Hürtgen: "Da stecken mindestens drei Stunden Arbeit drin." Es sei sauberer Profijournalismus, ätzt der Satiriker, "exklusiv irgendwelche Mails zu veröffentlichen und dabei so zu tun, als berichte man über eine Kampagne anderer".

Juso-Chef Kevin Kühnert

Juso-Chef Kevin Kühnert

Foto: Oliver Berg/ dpa

Den angeblichen E-Mail-Verkehr hat "Titanic" auf ihrer Website veröffentlicht. Kevin Kühnert reagierte auf die Enthüllung des Magazins. Er sagte dem SPIEGEL: "Wir haben von Anfang an gesagt, dass das eine plumpe Fälschung ist. Jetzt ist es halt ein witziger Fake. Weniger witzig ist, dass 'Bild' auf diese fragwürdigen Informationen eine mehrtägige Berichterstattung aufgebaut hat, die jeder Grundlage entbehrte."

Ein "Bild"-Sprecher dazu: "Wenn das jeder Grundlage entbehrte, warum hat dann die SPD angekündigt, Strafanzeige gegen unbekannt zu stellen?" Zuvor hatte Kühnert diesen Tweet veröffentlicht:

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Zu bento sagte Kühnert: "Wir sorgen uns um die journalistische Sorgfalt seitens 'Bild'. Offen bleibt die Frage, ob die Redaktion auch auf Fakemails dreijähriger Hunde reinfallen würde."

Am Mittwochmittag meldete sich dann auch noch Julian Reichelt, der Vorsitzende der "Bild"-Chefredaktion, via Twitter zu Wort. Er betonte, dass die "Bild"-Berichterstattung die Position der SPD dargelegt habe. Zur "Titanic"-Enthüllung meint er: "Natürlich darf Satire so etwas, aber sie versucht sich hier zu profilieren, indem sie journalistische Arbeit bewusst zu diskreditieren versucht."

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