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09. Februar 2019, 12:43 Uhr

Berühmter französischer Zeichner

Tomi Ungerer ist tot

Mit Bilderbüchern für Kinder und provokanten Zeichnungen erlangte Tomi Ungerer große Bekanntheit. Nun ist der französische Illustrator gestorben, er wurde 87 Jahre alt.

Der französische Zeichner und Buchillustrator Tomi Ungerer ist tot. "Er starb in der Nacht", sagte sein langjähriger Berater Robert Walter: "Es war seine Frau, die mich am Morgen angerufen hat." Französischen Medienberichten zufolge starb der Künstler im Haus seiner Tochter im irischen Cork, er wurde 87 Jahre alt.

Ungerer, Sohn eines Uhrmachers, kam am 28. November 1931 in Straßburg zur Welt - seine Eltern gaben ihm den Vornamen Jean-Thomas. In den Fünfzigerjahren wanderte er in die USA aus, es verschlug ihn auch nach Kanada. Seit 1976 lebte er mit seiner dritten Frau in Irland.

"Er war nicht nur ein großer Künstler, er verkörperte auch die Komplexität des Elsass, seiner Doppelkultur", sagte Alain Fontanel, erster stellvertretender Bürgermeister von Straßburg laut der Zeitung "Les Dernières Nouvelles d'Alsace": "Wir haben uns vorgestellt, dass es ewig ist, und jetzt verlässt er uns."

Ungerer hatte sich unter anderem als Autor und Illustrator von Kinderbüchern einen Namen gemacht. Bekannte Werke sind unter anderem "Der Mondmann" und "Die drei Räuber". In Deutschland ist "Das große Liederbuch", eine illustrierte Sammlung von Volks- und Kinderliedern, seit Jahren ein Verkaufsschlager.

Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte er mehr als 150 Bücher, die in 28 Sprachen übersetzt wurden. Zudem schuf er etwa 40.000 Zeichnungen, mehr als 300 Plakate, Dutzende Ölbilder, Lithographien und Skulpturen.

Auch mit Plakatkunst, erotischen Zeichnungen und provokanten Bilderbüchern für Erwachsene fand Ungerer Anerkennung. 2007 erregte etwa sein Plan Aufsehen, im Neckarstädtchen Plochingen eine kunstvoll gestaltete öffentliche Toilette in Form eines Hinterteils aufzubauen.

Im selben Jahr eröffnete seine Heimatstadt Straßburg das "Zentrum für Illustration - Tomi Ungerer". Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Fünften Republik ein Zeichner zu Lebzeiten mit einem eigenen Museum gewürdigt.

mxw/AFP/dpa

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