Theaterstück Tony Kushner schreibt über "borderline-gestörten" Trump

Der US-Dramatiker Tony Kushner wird gefeiert für "Angels in America" über die Aids-Ära. Zeitgeschichtlich ist auch sein nächstes Stück gehalten : Er schreibt über Trumps Aufstieg und den "politischen Suizid" seines Landes.

US-Dramatiker Tony Kushner
imago/ZUMA Press

US-Dramatiker Tony Kushner


Tony Kushner, 61, schreibt meistens über historische Stoffe und wurde dafür schon vielfach ausgezeichnet. Bei Golden-Globe- und Oscar-Verleihungen waren seine Drehbücher für die Steven-Spielberg-Filme "München" und "Lincoln" in der engeren Auswahl. Noch berühmter ist er aber hingegen als Dramatiker. Für sein zweiteiliges Drama "Angels in America" wurde er gleich zweimal mit dem Tony Award für das beste Theaterstück belohnt. Es spielt im New York der Reagan-Ära, das geprägt wurde durch die Aids-Krise.

Insofern darf man gespannt sein, welchen Umgang Tony Kushner mit dem Aufstieg des New Yorker Immobilienunternehmers Donald Trump zum US-Präsidenten findet. Denn genau der ist das Thema des neuesten Stück, an dem Kushner gerade die Arbeit begonnen hat, wie er dem US-Internetmagazin "Daily Beast" sagte. Das Stück werde zwei Jahre vor Trumps Wahl zum Präsidenten spielen, so Kushner.

Der Dramatiker will Trump als "direkte Figur, ganz und gar nicht verblümt oder symbolisch" zeigen. Dabei sei Trump die Sorte Person, die er als Autor sonst meide, so Kushner, "denn ich denke, er ist borderline-gestört." Inkohärenz eigne sich zwar grundsätzlich gut für Dramen, aber Trump sei wirklich langweilig: "Es ist erschreckend, weil er all diese Macht hat, ohne die mentale Ausstattung, die er dafür bräuchte. Ich halte ihnen für ernsthaft geisteskrank und dass er im Weißen Haus sitzt, ist beängstigend."

Tony Kushner erwartet von Donald Trump keinerlei menschliche Tiefe, denn "man kenne ihn seit Jahren und er habe keinerlei Zeichen davon gezeigt: "Er läuft einfach herum in seinem düsteren kleinen Schacht und sagt immer die selben Dinge, wieder und wieder." Für das "Hauptproblem" hält der Dramatiker, "wie unser Land die Macht diesem Irren geben konnte. Wie ein Land politischen Selbstmord begeht - und ich halte die Analogien zu Hitler in dieser Hinsicht nicht für unangebracht."

Grenze zwischen Fantasie und Realität aus dem Blick verloren

In Kushners Erfolgsstück "Angels in America" spielt der frühere Trump-Anwalt Roy Cohn eine wichtige Rolle. Der Chefberater des Kommunistenjägers Joseph McCarthy starb 1986 an den Folgen einer Aids-Erkrankung, die er aber öffentlich als Leberkrebs ausgab. Von Cohn habe Trump gelernt, dass jede Werbung gute Werbung ist, so Kushner. Doch bei Cohn habe er nie den Eindruck gehabt, dass dieser aus dem Blick verloren habe, wo die Grenze zwischen Fantasie und Realität verlaufe - anders als Trump.

Das Stück werde aber wohl nicht vor dem Ende von Donald Trumps erster Amtszeit vollendet sein, so Kushner: "Ich bin ein langsamer Schreiber." Anders verhält es sich mit Michael Moore, dessen Trump-Abrechnung "The Terms of My Surrender" noch im Sommer am Broadway eröffnet. Großen Ärger handelten sich die Macher des New Yorker Public Theaters ein mit ihrer Inszenierung von Shakespeares "Julius Caesar", die sich als Parabel auf Trump lesen lies - woraufhin die Sponsoren Delta Air Lines und Bank of America ihre Unterstützung zurückzogen.

Tony Kushners "Angels in America. A Gay Fantasia on National Themes" läuft derzeit sehr erfolgreich im National Theatre in London, mit Andrew Garfield in der Hauptrolle. Der Schauspieler sorgte kürzlich mit unsensiblen Aussagen zu Homosexualität für Aufsehen, die ihm Stückautor Kushner aber nicht übel nimmt. Er lobte im "Daily Beats"-Interview Garfield als Schauspieler, der sich sehr in seine Rolle als schwuler Mann hineinvertieft habe. "Er hat 'Angels in America' nicht geschrieben. Das war ich. Und ich bin ein schwuler Mann. Andrew ist Schauspieler und hetero und hat jedes Recht, meine Geschichten zu erzählen."

Auch deutsche Zuschauer können an der Londoner Inszenierung teilhaben: In einigen Kinos wird die Aufführung live übertragen. Hier die teilnehmenden Kinos.

feb



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
C. V. Neuves 20.07.2017
1. 2021 kommt bestimmt
Ich kann immer noch nicht verstehen, warum die Aussage "sie ist jetzt dran, wählt Hillary" bei den W"hlern nicht so richtig gezogen hat. Der letzten Bloomberg National Poll zufolge ist Trump nach wie vor beliebter als Hillary Clinton. Ich weiß, der Broadway ist weit weg von den tatsächlichen Sorgen und Nöten der Menschen: das macht ihn so beliebt. Wenn sie nicht bald anfangen, sich mit konkreter Politik zu beschäftigen, anstatt mit Donald Trump im Wettstreit um die dumpfsten Worthülsen zu verharren, dann wird Trump auch die Wahlen im November 2021 gewinnen. Bis jetzt hält er sich gegen seine Gegner, die sich in Hysterie gegenseitig zu übertrumpfen suchen, recht gut.
Cochrane 20.07.2017
2. Wenn
ich mit die Interviews mit Wesley Clark, 4-Sterne-Nato-General a.D. ansehe, oder mir gar die amerikanische Geschichte vergegenwärtige, kann ich zwischen der Geisteskraft eines Herrn Trump und anderer lebender, wie bereits verstorbener Politiker der USA keinen wirklich großen Unterschied feststellen. Herr Trump hat wohl Schwierigkeiten, als Unternehmer mit der Bürokratie des Staatsapparates klar zu kommen, aber Angst habe ich vor Ihm weniger als vor Frau Clinton oder Frau Albright. Er erscheint mir eher gemäßigter. Der Artikel sagt mir eher, daß Herr Kushner lieber die Gewissenlosen an der Macht sähe, die lachend erzählen, "We came, we saw, he died" oder "It was worth it". Mit Verlaub, die Wahrnehmung von Herr Kushner ist durchaus eine Überprüfung wert.
tough_cookie 20.07.2017
3. Doppelstandard
Daily Beast oder Media Matters werden 1:1 zitiert und als seriös empfunden. Fehlt nur noch Salon als Quelle. Aber von Breitbart etc sollen wir die Finger lassen?
multi.io.42 20.07.2017
4.
Zitat von C. V. NeuvesIch kann immer noch nicht verstehen, warum die Aussage "sie ist jetzt dran, wählt Hillary" bei den W"hlern nicht so richtig gezogen hat. Der letzten Bloomberg National Poll zufolge ist Trump nach wie vor beliebter als Hillary Clinton. Ich weiß, der Broadway ist weit weg von den tatsächlichen Sorgen und Nöten der Menschen: das macht ihn so beliebt. Wenn sie nicht bald anfangen, sich mit konkreter Politik zu beschäftigen, anstatt mit Donald Trump im Wettstreit um die dumpfsten Worthülsen zu verharren, dann wird Trump auch die Wahlen im November 2021 gewinnen. Bis jetzt hält er sich gegen seine Gegner, die sich in Hysterie gegenseitig zu übertrumpfen suchen, recht gut.
November 2021? Hat Trump seine Amtszeit jetzt schon auf 5 Jahre erhöht? :-D
m a x l i 20.07.2017
5. Borderline
Borderline-gestört sind auf jeden Fall ein großer Teil der Medien, die seit einem halben Jahr und länger krampfhaft und penetrant sich bemühen, doch noch Putins Haar in Trumps Suppe zu finden, um das Volk in die entsprechende Stimmung zu bringen, dass es dann als normal empfunden wird, wenn der gewählte Präsident bei passender Gelegenheit aus irgendeinem Vorwand abserviert wird. Interessant ist auch, dass der Name McCarthy im Artikel fällt und (wie zu erwarten) über ein paar Ecken mit Trump in Verbindung gebracht wird, während man mit ansehen muss, dass die Medien mit der Russland-Russland-Hysterie die alten Methoden der McCarthy-Ära wieder aufleben lassen. Zu diesen Methoden gehört auch, dass Kritiker dieser Hysterie sofort als Trump-Fans oder Putin-Fans eingeordnet werden.
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