Top-Model-Finale Küken aus dem Model-Labor

Hurra, "Heidi 08" ist da! Nach 15 Wochen ging die dritte "Topmodel"-Staffel zu Ende. Siegerin ist Jennifer Hof – eine technisch aufgerüstete Version von Laufsteg-Roboter Heidi Klum.

Wenn Maschinen die Menschen zu unterwandern versuchen - das weiß jeder Science-Fiction-Fan - müssen sie zuallererst lernen, deren Fehlerhaftigkeit nachzuahmen. Für einen perfekt programmierten Roboter die schwierigste aller Aufgaben. Doch Heidi Klum, Deutschlands international beliebte Laufstegapparatur, versuchte beim Finale von "Germany's Next Topmodel" trotzdem so was wie Menschlichkeit unterm blitzenden Modelpanzer durchschimmern zu lassen.

"Wir sind ja alle nicht perfekt", schnarrte sie mit blecherner Sanftmut und kündigte so einen kleinen Film über die Patzer und Peinlichkeiten an, die ihr und ihren beiden Jury-Kollegen während der dritten "Topmodel"-Staffel auf ProSieben unterlaufen seien. Doch was sich nach Wiedergutmachung für all die Züchtigungen und Degradierungen der vorgeführten Möchtegern-Models anhörte, wurde dann eigentlich doch nur eine weitere Performance in Sachen eigener, unmenschlich anmutender Perfektion.

Wie sich Klum im Einspielfilmchen nach einer verpatzten Aufnahme kunstvoll die Haare zerwuselte, wie sie in gespielter Überforderung grazil die Augen rollte, wie sie sich hübsch verhaspelte – selbst ihr seltenes Scheitern bringt diese Frau formvollendet zur Aufführung. Einmal Roboter, immer Roboter.

Seriale Reproduktion von Heidi Klum

Ziel ihrer ProSieben-Castingshow war es ja gewesen, weitere Lipgloss-Replikantinnen zusammenzuschrauben. "Germany's Next Topmodel", das hieß drei Staffeln lang: Heidi geht in Serie. Und das eben im doppelten Sinne – als Fernsehproduktion und als Catwalk-Konstruktion. Denn ob sie nun brünett, blond oder rothaarig waren, so galt doch für alle Model-Anwärterinnen: Guckt euch Heidi an, werdet Heidi!

Dass nun die gerade erst 17 Jahre alt gewordene Jennifer Hof das Rennen gemacht hat, kann nicht verwundern. Bei Freunden des Formats wird sie schon lange als Favoritin gehandelt. Mehr als einmal wurden auch am gestrigen Donnerstagabend wieder ihre irreal langen Beine gepriesen, die in keinem Menschenlabor schöner gezüchtet worden sein könnten und die während der 15-wöchigen "Topmodel"-Produktion tatsächlich noch gewachsen sein sollen. Jetzt seien sie gar einen Zentimeter länger als die von Nadja Auermann, jubilierte Heidi Klum einmal in die Kamera.

Die Erfolgsaussichten der jungen Frau waren deshalb ideal, weil bei ihr das optimale körperliche Material auf den unbedingten Willen trifft, sich formen zu lassen. Ganz melancholisch wurde ihre Schöpferin Klum, als sie sich an die vergangene Zeit mit der Kandidatin erinnerte, deren Haarschnitt, Laufschritt und Selbstbewusstsein Klum mit ihren Co-Juroren Peyman Amin und Rolf Schneider gehörig getuned hatte. Da schien sich der Stolz einer Mutter mit dem Know-how der Ingenieurin zu mischen: "Jennifer, das kleine Küken. 16 warst du, als du zu uns gekommen bist. Jetzt bist du eine kleine Frau."

"Heidi 08" ist da!

Und gegen dieses im Schnellverfahren hochgezüchtete, robuste Laborküken hatten ihre beiden Konkurrentinnen im gestrigen "Topmodel"-Finale eben keine Chance: Zu scheu und zaghaft war die 21-jährige Christina Leibold, zu fertig und unformbar hingegen die 24-jährige Janina Delia Schmidt.

Jennifer aber bewies auch auf der letzten, mit unendlich vielen Werbepausen durchsetzten Strecke des Laufstegmarathons Leistungsbereitschaft und Durchhaltewillen. Kein Ausdruck von Schmerz oder Schrecken fuhr ihr zum Beispiel übers unbewegliche Gesicht, als sie bei der finalen Model-Musterung ein kiloschweres Barockkleid über den Catwalk schleppen musste, oder als ihr während einer bizarren Fotoshooting-Simulation eine Vogelspinne über die Schulter schlich. Eine wahrlich in allen Stahlbädern geformte Model-Replikantin.

In Jennifer, der Monotonen aus Rodgau, hat Heidi, die Blecherne aus Bergisch Gladbach, ihre perfekte Aktualisierung gefunden. Halleluja, "Heidi 08" ist da!

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