Tschetschenien Deutscher TV-Journalist ausgewiesen

Die russischen Behörden haben einen Fernsehreporter der
Deutschen Welle aus Tschetschenien ausgewiesen. Er soll ohne die notwendige Genehmigung gearbeitet haben. Der Journalist weist das zurück.


Moskau - Sicherheitskräfte hätten dem Reporter Christoph Wanner gestern in Gewahrsam genommen und ihm seine Presseakkreditierung und sein Satellitentelefon entzogen, sagte heute der Moskauer Büroleiter von "Deutsche Welle TV", Darius Zierpialkowski. Wanner habe an einer Geschichte über eine deutsche Flüchtlingshilfsorganisation in der Kaukasusrepublik gearbeitet und sei im Besitz der für die Arbeit in Tschetschenien nötigen besonderen Akkreditierung gewesen. Russische Nachrichtenagenturen berichteten dagegen unter Berufung auf tschetschenische Polizeikreise, dem Journalisten habe diese Genehmigung gefehlt.

Der nach Moskau zurückgekehrte Wanner sagte, der russische
Inlandsgeheimdienst FSB habe bemängelt, dass ihn bei seinen Dreharbeiten in einem Kinderkrankenhaus in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny kein Behördenvertreter begleitete. Nach den Dreharbeiten über die Beteiligung der deutschen Nichtregierungsorganisation Hammer Forum
am Wiederaufbau in Tschetschenien sei er in Grosny vorübergehend festgehalten, auf die Polizeiwache gebracht und dann nach Dagestan gefahren worden.

In der Vergangenheit wurden bereits mehrere ausländische Journalisten aus Tschetschenien ausgewiesen, weil ihnen die Sondergenehmigung für die Arbeit dort gefehlt habe. Wanner kritisierte, dass Russland die Bewegungsfreiheit von Journalisten einschränke, obwohl es sich selbst als demokratisches Land bezeichne und den Krieg in Tschetschenien offiziell längst für beendet erklärt habe.

kai/AFP/AP



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