Mut! Theater Hamburg Türkei-Einreiseverbot für Theaterintendanten

Mahmut Canbay vom Hamburger Mut! Theater wollte an einem Theaterfestival im türkischen Izmir teilnehmen. An der Grenze wurde er festgenommen, durchsucht und zurück nach Deutschland geschickt.

Mahmut Canbay, Theatermacher aus Hamburg, wurde an der Grenze zur Türkei festgenommen
Mahmut Canbay

Mahmut Canbay, Theatermacher aus Hamburg, wurde an der Grenze zur Türkei festgenommen


Der Intendant eines Hamburger Theaters, Mahmut Canbay, ist bei seiner Einreise in die Türkei festgenommen worden. Er sei acht Stunden lang verhört worden, sagte Canbay der Deutschen Presse-Agentur. Man habe ihm am Donnerstagabend ein Einreiseverbot erteilt. Zuvor hatte das "Hamburger Abendblatt" mit Bezug auf türkische Medien darüber berichtet.

Canbay ist laut "Abendblatt" Deutschtürke kurdischer Abstammung und wollte mit einer Jugendgruppe an einem Theaterfestival in der westtürkischen Metropole Izmir teilnehmen. Er ist Intendant des Mut! Theaters im Hamburger Schanzenviertel.

Canbay sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihm sei ein Anwalt verweigert worden. Man habe ihn gezwungen, sein Smartphone zu entsperren und habe alle Mails, Kontakte und Chats überprüft. Unter anderem sei er zu einer Karikatur des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan befragt worden, die ihm ein Bekannter per Whatsapp zugeschickt hatte. Auf dieser wird Erdogan als Diktator dargestellt. Er sei gefragt worden, warum er diese nicht gelöscht habe. Schließlich sei er in eine Maschine nach Köln gesetzt worden.

Das Mut! Theater wurde von Mahmut Canbay gegründet und existiert seit 2005. Es spielt multikulturelle Projekte, oft werden bekannte Stücke in einen neuen Rahmen überführt. Ein Beispiel ist "Romeo und Julia orientalisch", das den türkisch-kurdischen Konflikt reflektiert.

kae/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
d.r.c.b. 09.08.2019
1. Schwerer Tobak...
... was sich die türkischen Behörden in dem Fall erlauben. Ich möchte nicht wissen, wie die Entsperrung des Mobiltelefons erzwungen wurde. Der ganze Vorgang des Abfangens an der Grenze und die Ausweisung lesen sich haarsträubend. Die Freiheit und Kultur hat zur Zeit einen schweren Stand in dem Land.
seeyouin1982 09.08.2019
2. Herr Canbay,
bleiben Sie mutig, bleiben Sie Ihren Prinzipien und Wertvorstellungen treu! Schade für Izmir! Danke an SPON für den Bericht.
charlybird 09.08.2019
3. Ich muss
immer wieder darüber den Kopf schütteln, dass es Menschen gibt, vor allem türkischer Herkunft, die sich obendrein noch kreativ betätigen und eventuell kritisch geäußert haben, die dieses Gefängisland noch besuchen möchten. Der türkische Geheimdienst kann und darf hier offensichtlich auch noch alles. Ja, man sollte die Menschen dort nicht alleine lassen, aber wenn Ablehnung und sogar Haft und Folter drohen, lasse ich doch die Finger davon. Die Türkei ist zur Zeit ein No Go. Punkt. Ich würde da momentan nicht einmal für viel Geld arbeiten wollen und schon gar nicht mein Geld hinbringen, obwohl es ein wunderschönes Land mit tollen Menschen ist.
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