Bei Terroranschlägen Türkei schränkt Berichterstattung drastisch ein

In Zukunft dürfen türkische Medien nicht mehr direkt vor Ort über Terroranschläge berichten. Das ordnete die türkische Rundfunkbehörde an. Die Berichterstattung könne "Angst, Panik und Chaos beim Volk hervorrufen".

Anschlag in Diyarbakir
DPA/ Depo Photos

Anschlag in Diyarbakir


Erneut wird die Pressefreiheit in der Türkei drastisch eingeschränkt. Ab sofort dürfen Medien bei Terroranschlägen keine Bilder mehr vom Tatort ausstrahlen, die die Tat zeigen oder nach dem Anschlag aufgenommen wurden. Eine entsprechende Anordnung gab die türkische Rundfunkbehörde am Mittwochabend heraus.

Auch Aufnahmen von Rettungswagen, Feuerwehr und Polizeiautos sind verboten, Zeugenaussagen vor laufender Kamera werden ebenfalls untersagt. Reporter und Nachrichtensprecher dürften nicht "übertrieben" über den Vorfall berichten, heißt es.

Die Behörde habe dazu Anfang der Woche ein Treffen mit Vertretern von Fernsehsendern auf Anordnung des Ministerpräsidenten einberufen, berichtete die Zeitung "Cumhuriyet" am Mittwoch.

Es sei außerdem untersagt, "ständig" die übliche Berichterstattung "zu unterbrechen", um über den Terroranschlag zu berichten. Verboten seien Berichte, die "Angst, Panik und Chaos beim Volk hervorrufen und den Absichten der Terrororganisationen dienen könnten.

In der Vergangenheit hatte die Rundfunkbehörde bei Terroranschlägen bereits Nachrichtensperren verhängt. Diese Praxis wird mit der neuen Anordnung zum dauerhaften Prinzip gemacht.

In der Türkei wird die Pressefreiheit seit dem Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres zunehmend eingeschränkt. Seit der Verhängung des Ausnahmezustands sind laut Human Rights Watch 140 Medien und 29 Verlage geschlossen worden. 148 Journalisten sitzen in Haft, viele sind ins Exil gegangen.

kae/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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uban1 02.02.2017
1. Zustimmung
Auch bei uns sollten nur noch relevante Informationen per Medien verbreitet werden, Ich will damit nicht einem Orwell'schen Wahrheitsministerium vorschub leisten, aber die Verdrehungen bis zu offenen Lügen nehmen überhand. Die Medien sollten nur noch ofiziell bestätigte Informationen herausgeben, zum Schutz der Demokratie vor den Populisten müssen die Demokraten das Recht auf freie Meinungsäusserung so spezifizeiren dass eine freie Meinung nur nach offizieller Beglaubigung geäussert werden dürfen. Alles nur zum Schutz der Demokratie und der Menschenrechte!
derboesewolfzdf 02.02.2017
2. im Grunde...
...ist das eh schon wurscht. Ob wir zensierte Nachrichten oder keine bekommen, spielt für die Wahrheitsfindung keine Rolle mehr.
michelinmännchen 02.02.2017
3. Eine gute Entscheidung
Damit reduziert man die Wirksamkeit der Anschläge und die Medien könnten sich auf relevante Themen konzentrieren.
maniak 02.02.2017
4. Diesmal bin ich einer Meinung
Deine Welt muß sich m. E. ein Konzept erarbeiten, wie über Terroranschläge berichtet werden kann, ohne den Tätern eine Plattform zu geben. Meiner Meinung nach sollten keinerlei Fotos von Tätern und Opfern gezeigt werden. Es sei denn zu Fahndung. Ich bin sicher, es würde weniger Terror geben, denn dieser lebt vom Effekt der Berichterstattung. Nicht alles was von der Türkei kommt ist schlecht. Auch sollte man den Namen der Terroristen nicht so oft erwähnen. Es sollte sich für Terroristen nicht lohnen. Sang und klanglos in den Medien ist das beste Rezept gegen Nachahmer. Auch Breivik wird weitestgehend nicht mehr in den Medien erwähnt. Zu Recht. Ganz nebenbei stumpfen die Menschen immer mehr ab und hören auf, nachzudenken, durch die ständige Berichterstattung.
FK-1234 02.02.2017
5.
Zitat von michelinmännchenDamit reduziert man die Wirksamkeit der Anschläge und die Medien könnten sich auf relevante Themen konzentrieren.
Was sind denn "relevante" Themen ? Es gehört nun mal auch zur Wahrheit und dokumentiert zudem, dass die seitens des Diktators ausgehende - oft willkürliche - Gewalt in ausufernder Gewalt und Spaltung mündet. Eben die Politik Erdogans und seiner skrupellosen Helfer. Was wäre denn eigentlich in Deutschland, wenn solche Tatsachen per Dekret verboten werden ?
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