Angebliche Beleidigung Erdogans Türkei verweigert "Stern"-Reporter die Akkreditierung

Der Türkei-Korrespondent des "Stern", Raphael Geiger, kann nicht mehr aus dem Land berichten, er erhält keine Akkreditierung. Die Begründung ist für den Reporter nicht nachvollziehbar.

Recep Tayyip Erdogan
REX/ Shutterstock/ Turkish President Press office

Recep Tayyip Erdogan


Nach Angaben des Magazins "Stern" hat die Türkei dem Korrespondenten Raphael Geiger die Verlängerung seiner Akkreditierung verweigert. "Wie wir erfuhren, wirft die türkische Regierung ihm 'Beleidigung des Staatspräsidenten' vor", teilte der "Stern" mit. Geiger, der mittlerweile von Athen aus berichtet, sagte am Mittwoch zu dem Vorwurf: "Ich war überrascht und weiß nicht, worauf sich das konkret bezieht."

Die türkische Regierung hat sich bislang nicht zu dem Vorgang geäußert. Geiger, der für den "Stern" über die Türkei, Griechenland und die Nahost-Region berichtet, zog im vergangenen Monat von Istanbul nach Athen. Das war bereits vor der nicht erteilten Neuakkreditierung geplant. Anfang 2015 war Geiger in die Türkei gezogen und dort ordnungsgemäß akkreditiert worden.

Die jährliche Akkreditierung ist die Arbeitserlaubnis für Auslandskorrespondenten in der Türkei. Geiger sagte, offiziell habe das Presseamt seinen Anfang Dezember gestellten Verlängerungsantrag für dieses Jahr nie abgelehnt. Ihm sei aber übermittelt worden, dass die Akkreditierung nicht erneut erteilt werde.

In einer am Mittwoch von der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit 2017 rutschte die Türkei erneut um vier Plätze ab. Sie liegt nun auf Rang 155, direkt hinter der Demokratischen Republik Kongo. Neben Geiger wurde auch einigen anderen internationalen Korrespondenten die Verlängerung ihrer Akkreditierung für das 2017 nicht erteilt.

Vor gut einem Jahr hatte der damalige SPIEGEL-Korrespondent Hasnain Kazim die Türkei verlassen; seine Akkreditierung war damals ebenfalls nicht verlängert worden. Er wurde mittlerweile ersetzt.

Seit Ende Februar sitzt außerdem der deutschtürkische "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel unter Terrorverdacht in Untersuchungshaft. Nach Angaben von ROG gehört er zu den mindestens 49 inhaftierten Journalisten in dem Land. "In Dutzenden weiteren Fällen ist ein direkter Zusammenhang der Haft mit der journalistischen Tätigkeit wahrscheinlich, lässt sich aber derzeit nicht nachweisen, denn die türkische Justiz lässt die Betroffenen und ihre Anwälte oft für längere Zeit über die genauen Anschuldigungen im Unklaren", heißt es bei ROG.

Der ebenfalls in der Türkei inhaftierte iitalienische Journalist Gabriele Del Grande wurde mittlerweile freigelassen.

bsc/dpa



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