Türkei Vertrauter Erdogans dominiert nun die Medien der Türkei

Aydin Dogan verkauft die Tageszeitung "Hürriyet" und den Sender "CNN Türk". Neuer Eigentümer ist der Unternehmer Demirören - er steht Präsident Erdogan nahe.
Die Tageszeitung "Hürriyet"

Die Tageszeitung "Hürriyet"

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Am Ende weinte der Medienmogul. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Besitzer der türkischen Tageszeitung "Milliyet", Erdogan Demirören, wegen eines Beitrags am Telefon so heftig zusammengestaucht, dass dieser zerknirscht um Verzeihung flehte. "Warum habe ich mich nur in dieses Gewerbe begeben?" stammelte Demirören mit tränenerstickter Stimme in dem Gespräch, dessen Inhalt im Jahr 2014 öffentlich wurde.

Vier Jahre später laufen die Geschäfte für Demirören, dem neben der "Milliyet" auch die Tageszeitung "Vatan" gehört, besser als je zuvor: Er betreibt ein Einkaufszentrum in Istanbul, Hotels, Energiefirmen. Kritische Artikel über die Regierung erschienen nach dem Telefonat mit Erdogan in seinen Blättern hingegen kaum mehr.

Ein weiterer schwerer Schlag

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Aydin Dogan, ein weiterer türkischer Tycoon, nun seine Medienunternehmen an Demirören verkauft. Für Demirören ist der Deal ein Scoop: Zu dem Reich von Dogan gehörten unter anderem die "Hürriyet", die auflagenstärkste türkische Zeitung, die Fernsehsender CNN Türk und Kanal D, die Nachrichtenagentur DHA. Demirören wird zu einem der mächtigsten Medienmanager der Türkei.

Für den Journalismus in der Türkei, dessen Freiheit durch die Repressionen durch die Regierung ohnehin stark eingeschränkt ist, ist Dogans Rückzug dagegen ein weiterer schwerer Schlag: Zwar waren Hürriyet und CNN Türk zuletzt längst nicht mehr so kritisch und bissig wie noch vor einigen Jahren, trotzdem bemühten sie sich, ihre Unabhängigkeit zumindest halbwegs zu bewahren. Die Agentur DHA war ein letzter Konkurrent zur staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Ajans, die mehr oder weniger als PR-Agentur für die Regierung agiert.

Unter Demirören dürfte die Dogan-Medien nun das gleiche Schicksal ereilen wie zuvor "Milliyet" oder "Vatan": Die Berichterstattung dürfte weitgehend gleichgeschaltet werden, unliebsame Journalisten droht die Entlassung.

Unter dem Druck der Regierung

Erdogan erhält, eineinhalb Jahre vor wichtigen Präsidentschaftswahlen, noch breiteren Raum für seine Kampagnen. Schon jetzt kontrolliert seine Regierung beinahe sämtliche Medien. Oppositionspolitiker finden in türkischen Zeitungen und im Fernsehen kaum noch statt oder werden als Terroristen denunziert. Durch die Übernahme der Dogan-Medien durch Demirören dürfte sich dieser Trend weiter verschärfen.

Die Leserinnen und Leser in der Türkei können allenfalls noch auf einige wenige Publikationen wie "Cumhuriyet", "Evrensel" oder "Birgün" ausweichen, deren Auflage jedoch gering ist und die unter massivem Druck durch die Regierung stehen - oder auf Onlineportale wie "Diken". Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" kommentierte am Mittwoch auf Twitter: "Erdogans Übernahme der Medien ist komplett".

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