Türkische Mediensatire CNN-Moderatorin Amanpour geißelt gefälschtes Interview

"Schande über euch!": Mit scharfen Worten wettert die CNN-Hauptmoderatorin Christiane Amanpour gegen die türkische Zeitung "Takvim". Das Blatt hat ein gefälschtes Interview mit ihr veröffentlicht. Doch die Gazette winkt ab - alles nur Satire!

DPA

Istanbul/Washington/Hamburg - Her mit den Skandalen! Für Topthemen brauchen Medien oft schnell neuen Stoff - und zwar heißen. Zu den Protesten in Istanbul zum Beispiel. Und wenn er ausgeht? Einfach welchen erfinden! Klingt unseriös - ist es auch. Und dennoch soll jetzt eine türkische Zeitung zu diesem Kniff gegriffen haben. Die Gazette "Takvim" hat am Dienstag ein gefälschtes Gespräch mit der CNN-Hauptmoderatorin Christiane Amanpour veröffentlicht und damit deren Ärger auf sich gezogen. Allerdings war das Interview in einer Fußnote von vornherein als Fälschung gekennzeichnet.

"Shame on you!" - "Schande über euch!" - wettert die TV-Journalistin gegen das Blatt beim Kurznachrichtendienst Twitter.

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Laut dem gefälschten Interview soll Amanpour gesagt haben, dass sie auf Anweisung ihrer Chefs mit einer klaren Absicht über die aktuellen Ereignisse in Istanbul berichten musste: Die Türkei solle dadurch für internationale Business-Interessen destabilisiert werden. So lautete der Tageszeitung "Hürriyet" zufolge eine der vielen Lügen, die "Takvim" Amanpour unterschob.

Doch ganz unten auf der Seite gab ein kleiner Hinweis Entwarnung: "Dieses Interview ist nicht real", stand da. Man wolle damit auf die "Lügen" von CNN aufmerksam machen, die der US-Sender über die Proteste im Gezi Park verbreite. Zuvor hätten auch führende Mitglieder der türkischen Regierung CNN wegen der übertriebenen Berichterstattung gerügt, berichtet "Hürriyet".

Der Autor des Interviews, Mevlüt Yüksel, hat Amanpour jedenfalls bereits auf Twitter geantwortet. "Hallo Christiane", schreibt er, "das ist doch nur Sarkasmus", und bietet ihr an, ihn bei Rückfragen zu kontaktieren.

Anm. d. Red.: Eine erste Version dieses Artikel erweckte den Eindruck, Christiane Amanpour hätte humorlos auf das gefälschte Interview reagiert. Wir haben die entsprechenden Passagen entfernt.

bos



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Mertrager 19.06.2013
1. Humor
Schwierig wird es immer, wenn eine Seite den Humor der anderen nicht versteht. Noch schwieriger wird es, wenn eine Seite zusätzlich sehr empfindlich ist und von der anderen erwartet, dasz sie dasselbe cool auszuhalten hat.
wolfi7777 19.06.2013
2. Klare Verhältnisse!
das einzig Gute an den Vorgängen in istanbul: Sie zeigen, dass die Türkei noch lange nicht EU-reif ist, hoffentlich haben unsere Politiker das jetzt kapiert!
mangeder 19.06.2013
3.
Nur ganz unten auf der Seite ein kleiner Hinweis Entwarnung: "Dieses Interview ist nicht real" ist eindeutig zu wenig und konnte von den Lesern leicht übersehen werden (was wohl auch die Absicht dieser Schmierengazette war). Insbesondere wenn es sich um ein Blatt handelt, das nicht gerade für Satire und Humor bekannt ist.
Bondurant 19.06.2013
4. So komisch
Zitat von sysopDPA"Schande über euch!": Mit scharfen Worten wettert die CNN-Hauptmoderatorin Christiane Amanpour gegen die türkische Zeitung "Takvim". Das Blatt hat ein gefälschtes Interview mit ihr veröffentlicht. Doch die Gazette winkt ab - alles nur Satire! http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tuerkische-satire-cnn-moderatorin-amanpour-ruegt-gefaelschtes-interview-a-906608.html
ist das gar nicht. das dann von einer Zeitung, die Erdogan-Getreuen gehören soll... Mit Satire im eigentlichen Sinn hat derartige Regierungspropaganda nix zu tun.
shokaku 19.06.2013
5. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von sysopDPA"Schande über euch!": Mit scharfen Worten wettert die CNN-Hauptmoderatorin Christiane Amanpour gegen die türkische Zeitung "Takvim". Das Blatt hat ein gefälschtes Interview mit ihr veröffentlicht. Doch die Gazette winkt ab - alles nur Satire! http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tuerkische-satire-cnn-moderatorin-amanpour-ruegt-gefaelschtes-interview-a-906608.html
So ist die Journaille. Austeilen wie die Weltmeister, aber im Einstecken eine Mimose.
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