TV-Ausblick, Teil 1 Superstar gesucht, Topmodel gefunden

SPIEGEL ONLINE schaut nach vorn: Wieso verschiebt ProSieben seine Nachrichten? Wird die neue "DSDS"-Staffel dank Dieter Bohlen wieder ein Heuler? Und was läuft beim neuen Sender Comedy Central? Die TV-Highlights der kommenden Wochen im Überblick.

Von Peer Schader


RTL: Bohlen is back, Maske vielleicht auch

Wie geht's? Naja. Große Revolutionen erwartet man aus Köln schon lange nicht mehr. RTL-Chefin Anke Schäferkordt schafft es, ihren Sender auf Platz 1 in der jungen Zielgruppe zu halten, aber die Zeit der Höhenflüge scheint für RTL vorbei zu sein. Was sicher auch daran liegt, dass man als Bertelsmann-Cashcow kaum noch Risiken eingehen darf.

Was bringt's? Am 10. Januar startet die nächste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar", natürlich inklusive Dieter Bohlen. Dennoch bangt RTL, ob die Zielgruppe nach der "Popstars"-Dauerbeschallung des Konkurrenten Pro Sieben nicht genug vom Castingshow-Geheule hat. Viel versprechend klingen die selbst produzierten Serien: Mitte Januar kommt "Post Mortem", bei dem ein Rechtsmediziner-Team um Hannes Jaenicke Leichen beschnippelt, um Verbrechen aufzuklären. Es folgen: "Die Anwälte" mit Kai Wiesinger und eine Ärzteserie, die mit etwas Glück eine Mischung aus "Scrubs" und "Bridget Jones" werden könnte. Aus den USA läuft der Erfolg "Prison Break", Branchengerüchten zufolge soll sich RTL zudem die Top-US-Serie "Heroes" gesichert haben.

Im März hoffen sie in Köln inständig, dass nicht auch noch Henry Maske sein Comeback im Ring vermasselt – sonst wird's nämlich nix mit dem Box-Revival bei RTL. Und weil inzwischen die "Supernanny" und "Einsatz in 4 Wänden" schwächeln, werden am Mittwoch neue Dokusoaps getestet. Vera Int-Veen hat den Quotentest bei "Helfer mit Herz" gerade bestanden, am 3. Januar kommt "Raus aus den Schulden". Und ab Februar moderiert Marco Schreyl am Sonntag eine neue Verbrauchershow.

ProSieben: Koch-Flirts statt Gesundheitsreform

Wie geht's? Bestens! Senderchef Andreas Bartl ist seit einem guten Jahr im Amt und hat es geschafft, ProSieben wieder zu stabilisieren: mit Blockbustern und US-Serien (von denen freilich nicht alle so gut laufen wie erwartet). Jetzt geht's für die Münchner darum, auch mit Eigenproduktionen wieder zu punkten.

Was bringt's? Man kann nicht behaupten, ProSieben ließe das neue Jahr gemütlich angehen. Am 8. Januar krempelt der Sender seinen Vorabend um, schmeißt die Hauptnachrichten "Newstime" aus der Primetime und sendet ab 19.45 Uhr die halbstündige Dokusoap "Liebe isst…", eine Art "Herzblatt"-Kochshow, die natürlich an den Erfolg von Vox mit "Das perfekte Dinner" anknüpfen soll. Nachrichten versteckt ProSieben in dieser Testphase um 17.55 Uhr. Nach dem eher mäßig erfolgreichen "Alles außer Sex" im vorigen Jahr testet der Sender vom 11. Januar an außerdem eine zweite selbst produzierte Serie: In "Verrückt nach Clara" wird sich eine junge Journalistin ihren Kopf über allerlei Beziehungsstress zerbrechen.

Dazu setzt Unterhaltungschef Jobst Benthues weiter auf Spielshows: Beim "Gameshow-Marathon" werden Mitte Januar Klassiker wie "Glücksrad", "Ruck Zuck" und "Geh aufs Ganze" kurzzeitig wieder belebt, damit Promis um den Titel des "Gameshow-Königs" zocken können. Auch die Standards für 2007 stehen fest: Im Frühjahr sucht Heidi Klum erneut "Germany's Next Topmodel", der "Bundesvision Song Contest" geht in die dritte Runde – und so langsam wird es bei "Schlag den Raab" mal Zeit, dass ein Kandidat den Jackpot knackt. Nächste Chance: Ende Januar.

Comedy Central: Newcomer in der Nische

Wie geht's? Noch gar nicht. Sendestart des Kanals, der als Free-TV-Sender die Clip-Abspielstation Viva Plus ersetzt, ist erst am 15. Januar. Comedy Central gehört zum Medienriesen Viacom, der in Deutschland bereits MTV, Viva und Nick betreibt.

Was bringt's? Erstaunlicherweise: jede Menge Eigenproduktionen. Allzu viel Geld dürften die zwar nicht kosten, aber ein reiner Abspielkanal von Auslandsware soll Comedy Central nicht werden, hat Senderchef Markus Andorfer bereits versprochen. So bekommen die Comedy-Duos Badesalz und Mundstuhl eigene Shows, Knacki Deuser (derzeit mit "Gott sei Dank, dass Sie da sind" bei Pro Sieben) setzt seine ehemalige WDR-Comedy "Nightwash" fort und es gibt jede Menge Impro-Formate sowie den Comedy-Talk mit "u.A.w.g. – um Antwort wird gebeten" mit Heinz Gröning.

Wer britischen Humor und amerikanische Sitcoms mag, wird ebenfalls auf seine Kosten kommen. Comedy Central zeigt unter anderem "Extras" mit Ricky Gervais ("The Office"), "Suburban Shootout", "Little Britain" und die Comicserie "Stripperella"– im Ausland allesamt Hits, für die großen deutschen Sender aber wohl zu speziell. Kleiner Nachteil: Die meisten Originale werden synchronisiert.

ZDF: Weitere Telenovelas am Nachmittag sind tabu

Wie geht's? Gute Frage. Einen Grund sich zu beschweren gibt es eigentlich nicht. Aber wo das ZDF langfristig hinsteuert, erschließt sich einem derzeit nicht so recht. Es ist ja schön und gut, sich stets seiner Informationskompetenz zu rühmen. Ein schlüssiges Zukunftskonzept für die Gottschalk-abhängige Unterhaltung scheint es in Mainz aber nicht zu geben.

Was bringt's? Erst einmal nichts Besonderes. Mit mutigeren Produktionen wie "M.E.T.R.O." und "Kanzleramt" ist das Zweite baden gegangen, jetzt wird ein bisschen am Vorabend herum geschraubt: Ab 4. Januar läuft donnerstags um 19.25 Uhr die Eigenproduktion "Notruf Hafenkante", außerdem hat Unterhaltungschef Thomas Bellut die Real-Life-Reihe "Kriminaldauerdienst", neue "Kripo Rhein-Main"-Folgen und die Jutta-Speidel-Serie "Donna Roma" in petto. Dazu gibt's die volle Ladung Johannes B. Kerner, der eine neue Wissensshow moderieren soll.

Weitere Telenovelas sind tabu. Am Nachmittag laufen künftig Dokusoaps wie "Unsere Farm in Namibia" – nach RTL, Vox, der ARD, Pro Sieben und Kabel 1 hat man nämlich auch beim ZDF gemerkt, dass sich mit Auswanderer-Geschichten Quote machen lässt. In Sachen Doku erklären die Mainzer "Die Welt in 50 Jahren" und zeigen "Armageddon – Wenn ein Meteorit die Erde trifft".

Vox: Eine Handvoll US-Serien mehr

Wie geht's? Der kleine RTL-Bruder kann zufrieden sein. 2006 war wohl das erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Senders. Selbst dass RTL sich "CSI" wegschnappte, hat Vox gut verkraftet. Bis auf wenige Ausnahmen laufen die US-Serien durchweg erfolgreich, der Nachmittag ist mit Tier-Dokusoaps und Kochshows zugestopft, nur am Vorabend gibt es noch Verbesserungsbedarf.

Was bringt's? Jede Menge neue US-Ware. Im Februar greift Vox den Konkurrenten Kabel 1 an, der am Freitag bereits erfolgreich Krimserien zeigt. Die Kölner halten mit "Close to Home" dagegen, eine Staatsanwalt-Reihe von Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer. Außerdem wird "Crossing Jordan" auf den Freitag verlegt, im Doppelpack mit "CSI: NY" läuft montags künftig "The District", in der ein Superbulle die heruntergekommene Polizei in Washington aufmöbeln soll.

In Sachen Eigenproduktionen gibt es ein paar Fragezeichen. "Der perfekte Urlaub" und "Top Dog – Deutschland sucht den Superhund" enttäuschten, außerdem steht immer noch "Tims Team" aus, eine Koch-Reality, bei der Tim Mälzer gescheiterte Köche wieder an den Herd bringen will. Ob das reicht, um den Kurs zu halten? Senderchef Frank Hoffmann wird sich wohl noch einiges einfallen lassen müssen.


Teil 2 der TV-Vorschau erscheint am Freitag, den 29.12. – mit den Programmplänen von Sat.1, Das Erste, RTL II, Kabel 1 und MTV.



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