TV-Qualitätsdebatte Reich-Ranicki wünscht sich Merkel als Fernsehkritikerin

Fernsehen als politische Chefsache - wie sähe dann das TV-Programm aus? Immerhin sei Kanzlerin Angela Merkel ja eine "außerordentlich kluge Politikerin", findet Marcel Reich-Ranicki - und damit als Fernsehfachfrau geeignet.


Hamburg - Was muss Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht schon alles erledigen: Die deutsche Autoindustrie retten, die Banken retten, das Klima retten, Müntefering ärgern.

Literaturkritiker Reich-Ranicki bemerkte also zu Recht, dass die Kanzlerin schon "Sorgen genug" habe. In einem Interview mit dem Magazin "Cicero" forderte Reich-Ranicki dennoch: "Es wäre gut, wenn sie sich auch über das Fernsehen äußern würde." Schließlich sei sie eine "außerordentlich kluge Politikerin".

Literaturkritiker Reich-Ranicki: Wünscht sich Angela Merkel als Fernsehkritikerin
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Literaturkritiker Reich-Ranicki: Wünscht sich Angela Merkel als Fernsehkritikerin

Die Fernsehkritik zur Chefsache machen, das könnte nach Reich-Ranicki die Qualität der Fernsehkritik anheben.

Denn diese befinde sich ebenso wie das deutsche Fernsehen "auf unterstem Niveau", da sie "kein rechtes Echo" habe. Es fehle "eine Debatte über das Niveau der Kritik selbst".

Immer öfter würden die Fernsehkritiken von Hospitanten und Volontären verfasst. Dagegen würden die "echten Intellektuellen" vom Fernsehen "ignoriert, bagatellisiert, vernachlässigt". Und deswegen sei das Programm so schlecht.

Reich-Ranicki hatte bei der Fernsehpreis-Gala im Oktober den Ehrenpreis für sein Lebenswerk zurückgewiesen und im Anschluss daran mit Gottschalk zur Primetime über die Qualität des Fernsehens diskutiert. Den Eklat, den er damit ausgelöst hatte, bereute er jedoch auch in seinem Gespräch mit "Cicero" nicht: "Das war keine originelle Äußerung von mir. Nur - keiner hat gewagt, es zu sagen, daher diese ungeheure Aufregung!"

Vielleicht hätte Merkel tatsächlich etwas zu kritisieren: Durch ihre eigene Geschichte zieht sich ein konfliktreiches Verhältnis zum Medium, das durch Parodien, Spottlieder des Moderators Stefan Raab und Verunglimpfungen ihrer Frisur geprägt. Doch das dürfte nicht die Kritik sein, die sich Reich-Ranicki erhofft.

ely/dpa/ddp



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