TV-Sender Neun Live Arbeitsplatz zu gewinnen

Der Gewinnspiel-Sender Neun Live will sich demnächst mit politisch relevanten Themen befassen: In einer neuen Show sollen die Zuschauer telefonisch entscheiden können, welcher der arbeitslosen Kandidaten einen ausgeschriebenen Job bekommt.


Senderchefin zu Salm: "Schockierend, weil es so simpel ist"
DPA

Senderchefin zu Salm: "Schockierend, weil es so simpel ist"

Hamburg - Eine "interaktive Politiksendung" dieser Art kündigte Senderchefin Christiane zu Salm am Dienstag im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" ("FTD") noch für dieses Jahr an. Der Erfolg der vergangenen Monate spornt offenbar zu großen Taten an: "Man könnte sich doch auch vorstellen, dass Deutschland anruft bei Neun Live, um (politisch) etwas zu verhindern", sagte zu Salm dem Blatt.

So weit ist es im Moment noch nicht: Neun Live finanziert sich als Mitmach-Sender vor allem über beeindruckend dümmliche Gewinnspiele, bei denen der Zuschauer mit einfachen Quizfragen dazu aufgefordert wird, bei dem Sender anzurufen. Der Anruf kostet 49 Cent, eine Summe, die Neun Live nur mit dem Telefonservice-Unternehmen AS Interactive teilen muss. "Aber es muss ja auch noch andere Gründe geben, warum Leute bei einem Fernsehsender anrufen wollen, außer dass sie gerade mal 100 Euro gewinnen können. Diese Möglichkeiten wollen wir jetzt nach und nach nutzen", sagte die ehemalige MTV-Chefin und Vorstandsvorsitzende von Euvia Media, dem Betreiber von Neun Live und dem Reisesender Sonnenklar.

Neun Live, im vergangenen Jahr aus dem Sender TM 3 hervorgegangen, kann von etwa 70 Prozent der deutschen Haushalte empfangen werden. Euvia Media gehört zu 48,4 Prozent dem TV-Konzern ProSiebenSat.1 und zu 45,6 Prozent der Shoppingsender-Kette Hot Networks. Je drei Prozent halten Premiere-Chef Georg Kofler sowie Christiane zu Salm selbst.

Das zunächst verspottete Sender-Konzept kann bisher eine recht ansehnliche Bilanz vorweisen. Nach nur 12 Monaten Sendebetrieb konnte Neun Live im Mai in die operative Gewinnzone vorstoßen - anderthalb Jahre früher als geplant. Für das Jahr 2002 plant zu Salm bei einem Umsatz von 70 Millionen Euro (mehr als 200 Millionen Anrufe) einen Ertrag von bis zu 20 Millionen Euro. Die Senderchefin freut sich über den unerwarteten Erfolg. Ihr Konzept sei deshalb so "schockierend, weil es so simpel ist", sagte sie der "FTD".



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