TV-Show mit Uri Geller Der Spaß macht die Biege

Man braucht keine übersinnlichen Fähigkeiten, um zu begreifen: Die neue Magier-Show mit dem Besteckbieger Uri Geller könnte trotz starker Quoten zum Auftakt doch noch floppen. Warum? Weil die Selbstironie zu kurz kommt. Der Zuschauer muss es auslöffeln.
Von Jan Freitag

Countdowns gehen immer. Sie erhöhen die Relevanz des Ereignisses, steigern die Dramatik. Dabei müssen Countdowns gar nichts Besonderes herbeizählen. Silvester gibt’s auch jedes Jahr, stets passiert das Gleiche: Viel Getöse, am Tag danach wird der Kater auskuriert. Ähnlich war es gestern, als ProSieben die Sekunden zu einer neuen Eventshow herunterzählte, während bei "Galileo" Schlitten getestet wurden.



Uri Geller ist wieder da, er macht, was er seit jeher macht: Löffel biegen, Uhren beleben, gut aussehen. Und hinterher fragt sich der Zuschauer, um was genau es eigentlich ging.

Diesmal wenigstens ging's nicht um den Fernsehmagier der Siebziger allein. Beim Revival, dem zweiten nach einem RTL-Ausflug 2004, sucht er seinen Nachfolger. Und wenngleich seine Tricks noch stets enttarnt wurden, wenn er umstrittener ist als Erich von Däniken und sein Ruf selbst branchenintern mies – für Quote sorgt ein magischer Medienprofi wie Geller noch immer. Im Lichtgewitter des Privatfernsehens simuliert er vor dem begeistert johlenden Saalpublikum übernatürliche Fähigkeiten, wie er es tut, seit den Achtjährigen im Garten ein Lichtblitz getroffen haben soll.

Acht Folgen lang sucht "der bekannteste Mystifier", wie ProSieben den 61-Jährigen ankündigt, nun "The next Uri Geller", einen deutschen Nachfolger. Die Quoten der ersten Show waren beeindruckend: 20,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen sind ein mehr als stattliches Ergebnis. Und es ist ja schon auch toll, was sich da für Nachwuchskräfte bewerben: Hellseher, Gedankenleser, Exzentriker, schöne Assistentinnen, unscheinbare Anzugträger. Sie alle liefern eine solide Show, dramatisch orchestriert und streckenweise sogar spannend. Wenn etwa Hayashi, der nachnamenlose "Samurai", unter fünf Papiertüten erspüren muss, auf welche er besser nicht haut, weil ein Messer darunter steckt. Wenn Nikolai Friedrich Denkströme zwischen Fremden herstellt oder "Der Herr der Raben" seinem sinistren Vogel mit elektronisch gedoppelter Stimme Geheimnisse entlockt.

Als Versuchskaninchen für die spiritistische Sause wurden Jürgen Vogel, Sonya Kraus und das Model Anni Wendler verpflichtet. Hinzu kamen - als Vertreter des bürgerlichen Common Sense - die Bürgermeister von Köln, Neuss und Grevenbroich. Man absolvierte klassische Showmagie-Disziplinen wie das Erraten verborgener Gegenstände, auch die verhexten Löffel durften nicht fehlen.

Magie! Im Ernst!

Verzaubert ist man wohl auch bei ProSieben, wie sonst ließe sich die Verve begreifen, mit der man ans Übersinnliche glaubt? Bei allem parapsychologischen Firlefanz: György Gellér, wie der 1946 in Israel geborene Entertainer eigentlich heißt, ist in jeder Hinsicht widerlegt. Jene drei Experimente, die er seit 1969 selbstbewusst vermarktet, sind wissenschaftlich entzaubert, die gescheiterten Gegenversuche im Fernsehen Legion. Seither zehrt er von allerlei gestreuten Gerüchten und einem gigantischem Showtalent. Man ist zwar gut beraten, den klagefreudigen Medienprofi nicht als Scharlatan zu bezeichnen. Einen seiner vielen Verleumdungsprozesse hat er indes noch nicht gewonnen.

Selbstironie gegenüber dem eigenen Projekt trat allenthalben mit Sonya Kraus in Erscheinung: Das ProSieben-Möbel unkte zu Beginn, alles sei "Beschiss". Der Zuschauer hatte es bis dahin vermutlich im Äther von Ahnung und Erscheinung bereits erspürt: Uri Gellers Erhebung zum Richter übersinnlicher Kompetenzen ist ähnlich glaubwürdig wie die Helmut Kohls zum Vorsitzenden einer Ethikkommission über illegale Spendenpraxis.

In diesem Sinne stünde der Sendung ein wenig mehr Bekenntnis zum eigenen Illusionscharakter gut zu Gesicht. Dafür müsste sich auch ein Privatsender wie ProSieben nicht verbiegen.

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