TV-Vorschau, Teil 2 Warten auf "Big Brother" und Jauch

Wird RTL II bald endgültig zum Selbsthilfesender? Was fällt der ARD außer Günther Jauch als Ersatz-Christiansen noch alles ein? Und wie viel Musik werden wir auf MTV und Viva künftig noch zu hören bekommen? SPIEGEL ONLINE gibt Antworten.

Von Peer Schader


Sat.1: Nervös in Berlin

Wie geht's? Es geht. In diesen Tagen gibt Roger Schawinski seinen Job als Geschäftsführer an den bisherigen Unterhaltungschef Matthias Alberti ab, der sich um zahlreiche Baustellen im Programm kümmern muss. Die Telenovela "Schmetterlinge im Bauch" ist gefloppt, bewährte Programme wie "Clever" und "Schillerstraße" haben Publikum verloren, und mit neuen Serienstoffen wird sich Sat.1 nach den Reinfällen der vergangenen Monate wohl eher zurückhalten.

Was bringt's? Albertis Großprojekt ist: "Verliebt in Berlin" retten. Im Januar bekommt die Telenovela eine neue Hauptdarstellerin, die die Fans zurückholen soll. Außerdem traut sich Sat.1, am Donnerstag RTL Konkurrenz zu machen und will einen zweiten US-Serien-Tag etablieren. Künftig läuft dort das von Kabel 1 gemopste "Without a trace", danach "Navy CIS" in direkter Konkurrenz zu "CSI" und im Anschluss "Numb3rs", dessen erste Staffel von Pro Sieben gezeigt wurde. Die "Schillerstraße", donnerstags zuletzt sehr schwach, wird auf den Freitag verschoben.

Wie Alberti mit neuen Shows und Eigenproduktionen punkten will, hat der künftige Senderchef noch nicht verraten. Die Castingshow "You can Dance" dümpelt jedenfalls ihrem Ende entgegen, und mit weiteren Show-Events hält man sich in Berlin derzeit auffallend zurück. 2007 soll mal wieder Jürgen von der Lippe mit der neuen Sketch-Comedy "Deutschland ist schön" ran. Große Hoffnung ruhen außerdem auf der "CSI"-ähnlichen Eigenproduktion "RIS" und der Spezialeinheit-Serie "GSG9", auch "Allein unter Bauern" mit Christoph M. Ohrt steht noch aus.

RTL II: Warten auf "Big Brother"

Wie geht's? Es ist ein bisschen still geworden um RTL II. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass der neue Programmdirektor Axel Kühn erst seit ein paar Wochen beim Sender ist und erst einmal schauen muss, wo überall aufgeräumt werden muss. Der Nachmittag ist nach wie vor ohne echte Struktur. In der Primetime hat RTL II zwar einige Erfolgsformate vorzuweisen ("Frauentausch", "Zuhause im Glück"), aber ein geordnetes Bild gibt das noch nicht ab.

Was bringt's? Erst einmal: Jack Bauer. Ab 3. Januar zeigt RTL II mittwochs um 21.15 Uhr die fünfte "24"-Staffel, jede Woche drei Folgen am Stück direkt gegen den Vox-Erfolg "The Closer". Danach heißt es: Warten auf "Big Brother". Im Februar soll die Ex-Aufreger-Show neu starten und sich wieder stärker an den ersten Staffeln orientieren – ohne Schnickschnack und komplizierte Regeln: 12 Bewohner, 150 Tage, 250.000 Euro. Wenn's klappt, hat RTL II das Potenzial, auch am Hauptabend wieder aufzuholen.

Die schlechte Nachricht ist: RTL wildert gerade erfolgreich im Genre Help TV, mit dem bisher vor allem RTL II erfolgreich war: Vera Int-Veen ("Glück-Wunsch") ist in nächster Zeit wohl für die Kölner unterwegs, die RTL-II-Reihe mit Bärbel Schäfer ("Zurück ins Leben") wird nicht fortgesetzt. Stattdessen kommt "Hüllenlos! – Auch nackt gut aussehen", das reißerischer klingt als es vermutlich aussehen wird. In der Dokusoap bekommen Kandidaten Tipps, wie man sich auch ohne Modelmaße ansprechend kleidet. Wenn das so weiter geht, wird RTL II noch zum Selbsthilfesender. Bloß: Wer will das dann noch sehen?

Das Erste: Mehr Schmidt, endlich Jauch

Wie geht's? Die ewige Beschäftigung der ARD mit sich selbst hört wohl nie auf. Schleichwerbeskandal, Ullrich-Vertrag, Ärger mit Sportkoordinator Hagen Boßdorf – wenn jemand mal verfilmen würde, wie es beim Ersten zugeht, hätte der Sender einen spannenden Wirtschaftskrimi fürs nächste Weihnachtsfest parat. Was die Quoten angeht, kann sich die ARD allerdings nicht beschweren: "Winzerkönig", Schunkelshows – das läuft prima. Und im neuen Jahr genau so weiter.

Was bringt's? Wäre Günther Jauch bloß schon auf Sendung! Dann könnte man sich das ganze Gerede um Vertragsinhalte, Abmachungen und Intendanten-Forderungen einfach sparen. Irgendwann im neuen Jahr wird Jauch also den Talk-Sendeplatz von Sabine Christiansen übernehmen. Die Erwartungen an die Erstausgabe werden maßlos übertrieben sein und Jauch wird sich vielleicht fragen, ob das den ganzen Stress überhaupt wert war.

Oh ja – den Rest des Programms muss das Erste natürlich auch noch füllen. Am Vorabend mit Harald Schmidts Rateshow "Pssst...", "Türkisch für Anfänger" und der "Bräuteschule 1958". Die BBC-Reihe "Planet Erde" wird fortgesetzt, Reinhold Messner führt durch eine dreiteilige Alpen-Doku und in "Steinzeit – Leben wie vor 5000 Jahren" wird wieder eine Familie entdecken, dass es sich unbequem lebt ohne Strom und fließend Wasser. Dazu passt dann ja "Pilawas Zeitreise – Die große Geschichtsshow".

Kabel 1: Zeitreise mal anders

Wie geht's? Hallo, Kabel 1? Ist da jemand zuhause? Wir fassen zusammen, was bisher geschah: Kabel 1 ist ein Spielfilmsender, der gerne mehr wäre als ein Spielfilmsender, aber irgendwie kein Budget hat, mal richtig in Eigenproduktionen zu investieren. Zugegeben: Harmlos-Unterhaltung nach "Quiztaxi"-Manier hat Charme – aber ein paar neue Ideen in dieser Richtung wären auch nicht schlecht.

Was bringt's? Die gute Nachricht: Kabel 1 wird in den kommenden Wochen eine der besten Serien zeigen, die 2007 im deutschen Fernsehen laufen werden. Sie kommt aus Großbritannien, heißt "Life on Mars" und die Geschichte hört sich irre an: Ein Polizist aus Manchester fällt nach einem Unfall ins Koma und wacht im Jahr 1973 wieder auf, wo er sich mit einer Truppe verlotterter Nörgelkollegen gegen Korruption und Verbrechen stemmen muss. Die Folgen dauern 60 Minuten, bei der BBC war's ein Riesenhit, und die schlechte Nachricht ist: In Deutschland wird das vermutlich kaum jemanden interessieren.

Den Rest fassen wir kompakt zusammen: Mike Krüger moderiert "Hilf dir selbst, sonst hilft dir Krüger" und der Krimifreitag wird künftig mit "The First 48 – Am Tatort mit den US-Ermittlern" abgerundet. Ende Januar will Kabel 1 weitere Neuerungen ankündigen.

MTV und Viva: Paris Hilton lässt grüßen

Wie geht's? Ziemlich gut. Zumindest was die Marktanteile bei den 14- bis 29-jährigen Zuschauern angeht. Es scheint tatsächlich geholfen zu haben, die ehemaligen Konkurrenten nach deren Zusammenführung für unterschiedliche Zielgruppen zu positionieren – MTV für coole Jungs, Viva für hippe Mädels. Zusammen stehen die Sender trotz Mini-Marktanteilen ganz gut da.

Was bringt's? Jedenfalls nicht mehr Musik. Zugunsten von Comedy Central wird Viva Plus am 15. Januar dicht gemacht, mit reinen Musiksendern hat es sich in Deutschland damit wohl auf absehbare Zeit erledigt. Viva zeigt in den kommenden Wochen wie schon 2006 massig US-Importe, neben der vierten Staffel der Paris-Hilton-Dokusoap "The Simple Life" auch "Americas Next Topmodel", das Vorbild für die Pro-Sieben-Variante, die 2007 in die zweite Runde geht.

Ab 22. Januar gibt’s "Are you hot", eine Art Boy-and-Girl-des-Jahres-Wahl, bei der in der Jury so kompetente Promis wie Scooter-Schreihals H. P. Baxxter und Nova Meierhenrich mitwirken, bei der man glatt vergessen hat, warum sie noch mal berühmt ist. Bei MTV gibt's ab 8. Januar die nächste "Southpark"-Staffel sowie "Ali G in da USA" mit ein paar sicher ganz witzigen "Borat"-Szenen.



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