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WTC-Ähnlichkeiten: "Die Türme küssen sich"

Foto: MVRDV

Twin Towers in Seoul Architekten-Entwurf empört 9/11-Opfer

Die Ähnlichkeit ist unverkennbar. Der Entwurf für zwei Hochhaustürme in Seoul erinnert an das explodierende World Trade Center. Angehörige von 9/11-Opfern sind erschüttert. Die niederländischen Architekten behaupten, eine Wolke habe sie inspiriert.

Seoul/Hamburg - Die Entschuldigung war dringend nötig geworden. "Ein Mediensturm" sei aufgezogen, sie seien in E-Mails bedroht und von wütenden Anrufern als Qaida-Sympathisanten beschimpft worden, schreiben die Architekten des Rotterdamer Büros MVRDV auf ihrer Facebook-Seite. "MVRDV bedauert zutiefst alle Verbindungen, die das Projekt 'The Cloud' im Zusammenhang mit 9/11 hervorruft", lautet ein offizielles Statement  der Niederländer.

Was hatten sich die Architekten nur gedacht? Am Mittwoch hatte MVRDV in Seoul den Entwurf für ein Bauwerk vorgestellt, welches das neue Geschäftszentrum Yongsan Dreamhub  prägen soll. Zwei Luxuswohnhaustürme, 260 und 300 Meter hoch, die ab dem 27. Stockwerk miteinander verbunden sind durch eine zehn Stockwerke hohe, pixelartige Formation, in der sich ein Konferenzzentrum, Fitnessstudios und ein Wellness-Center befinden sollen.

Es ist nur eines von zahlreichen spektakulären Bauprojekten in der koreanischen Hauptstadt, das Aufsehen hielt sich zunächst in Grenzen.

Doch dann wurde ein englisches Blog aufmerksam auf die Ähnlichkeit des Entwurfs mit den Twin Towers des New Yorker World Trade Center - mit den Rauchwolken, die von den Flugzeugeinschlägen der 9/11-Attentäter stammen. Das niederländische "Algemeen Dagblad" ("AD") nahm die Geschichte auf die Titelseite, und in den USA äußerten sich Angehörige der Anschlagsopfer.

"Billige Publicity" oder "Neuerfindung des Wolkenkratzers"?

Donald Goodrich, Rechtsanwalt und Präsident einer Angehörigenorganisation, sagte dem "AD",  das Design sei bestenfalls ein Ausdruck des schlechten Geschmacks und im schlimmsten Fall eine "Ausbeutung von Gefühlen".

Der Chefarchitekt des "Cloud"-Projekts, Winy Maas, zeigte sich der Zeitung zufolge erschüttert über die Vorwürfe: "Das sind keine Explosionen, das ist das Gegenteil. Diese beiden Türme berühren sich, sie küssen einander!"

Etwas nüchterner versuchte das Büro in seiner Pressemitteilung, die Beweggründe für den Entwurf zu beschreiben. Es sei "eines von vielen Projekten, in denen MVRDV mit erhöhten Stadtebenen experimentiert, um die oft einsame Typologie von Wolkenkratzern neu zu erfinden." Die Inspiration für das Gebäude sei eine Wolke gewesen, welche die Hochhaustürme verdecke.

Ein ehemaliger Feuerwehr-Kommandant, dessen Sohn bei den 9/11-Anschlägen starb, sagte der US-Boulevardzeitung "New York Daily News", er glaube, dass die Architekten lügen. "Sie haben keinen Respekt vor den Leuten, die an jenem Tag umkamen", sagte Jim Riches: "Sie haben eine Linie überschritten." Er glaube, der Entwurf sei sensationsheischend: "Eine billige Art, Publicity zu bekommen."

Kurioses Detail der Geschichte: Der Masterplan für das 140 Hektar große Areal, auf dem ein Eisenbahndepot und eine US-Militärbasis den Türmen weichen sollen, stammt aus dem Büro des amerikanischen Architekten Daniel Libeskind - der wiederum auch die Grundidee für den Neuaufbau des World Trade Center in New York lieferte. In einem Statement zum Planungsbeginn im Jahre 2009 sagte Libeskind, er beabsichtige, "jede Form, jeden Platz, jede Nachbarschaft so abwechslungsreich und wiedererkennbar wie möglich zu machen".

Ob "wiedererkennbar" auf diese Weise gemeint war?

Baubeginn für das "Cloud"-Projekt sollte 2013 sein, die Fertigstellung 2015. Der "Sydney Morning Herald" zitiert  zwar einen Sprecher der Entwicklungsgesellschaft, wonach alle Planungen unverändert weiterliefen. Doch dem "Wall Street Journal" sagte  ein Sprecher der Firma Yongsan Development, der MVRDV-Entwurf sei nur einer von 19 Vorschlägen für die beiden Gebäude. Eine Entscheidung werde erst im kommenden Jahr fallen.

feb/Reuters/AP
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