Twitter-Theater-Woche Deutsche Bühnen auf der Second Stage

Fünf deutsche Theater twittern bis Freitag über das Geschehen vor, hinter und auf der Bühne. Das Hashtag #TTW13 soll Einblick geben in ihre Arbeit. Zusätzlich wird bei der ersten Twitter-Theater-Woche täglich parallel zur Aufführung ein Stück bei dem Kurznachrichtendienst inszeniert.

Konzertbesucher mit seinem Smartphone: Bald auch im Theater?
AFP

Konzertbesucher mit seinem Smartphone: Bald auch im Theater?


Dem deutschen Theater fehlen junge Zuschauer. Laut aktueller Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins entfallen lediglich 16,5 Prozent der Eintrittskarten auf Schüler, Studenten, Kinder oder Jugendliche. So muss die erste Twitter-Theater-Woche, die von heute an bis Freitag läuft, wohl auch als Versuch gelten, mehr junge Menschen für das deutsche Schauspiel zu begeistern. Fünf Häuser, darunter das Thalia Theater in Hamburg und das Deutsche Theater in Berlin, twittern noch bis Freitag über das Geschehen vor, hinter und auf der Bühne.

Am Thalia Theater in Hamburg zeichnet Marketingchef Jochen Strauch verantwortlich für die Kampagne. Mit Ausnahme der Schauspieler twittere heute zum Auftakt eigentlich das ganze Haus, so Strauch. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter sei involviert - neben der Online-Redakteurin des Hauses Regieassistenten, aber auch die Referentin des Intendanten und die Dramaturgie. Es gehe natürlich auch darum, junge Menschen zu erreichen, das Thalia verstehe das Gezwitscher aber nicht als reines Vermarktungsmedium.

"Wie können wir unser Publikum besser verstehen, wie können wir in einen Dialog über unsere Inhalte auf Augenhöhe treten", beschreibt Strauch das Langzeit-Ziel seines Hauses.

Twitter-Statisten bitte melden!

Mit der von Twitter ins Leben gerufenen Aktion ist Jochen Strauch soweit zufrieden: "Wir haben in den ersten zwei Stunden 200 neue Follower gewonnen." Er bezeichnet die Twitter-Theater-Woche als "Pionierarbeit". Komplettes Neuland betritt das Hamburger Theater damit allerdings nicht. Bereits 2009 gab Intendant Joachim Lux bei "2 be or not 2 be - Stadt auf die Bühne" den Hamburgern die Möglichkeit zu partizipieren, Hamlet für sich zu interpretieren - allerdings live auf der Bühne des traditionsreichen Hauses am Alstertor.

Noch bis Freitag läuft die Kommunikationsoffensive der Häuser aus Hamburg, Bochum, Berlin, Hannover und München. Unter dem Hashtag #TTW13 versprechen die Macher einen Blick vor, auf und hinter die Bühne. Getwittert werden sollen Texte, Bilder und Videos - aus Generalproben, Vorstellungen, der Maske oder dem Kostümfundus. Laut Pressemitteilung sollen die Kurznachrichten auch Einblick in das Leben als Schauspieler geben und "das Medium Theater aus einer ganz anderen Perspektive" zeigen. Das Münchner Residenztheater sucht sogar "Twitter-Statisten", die von der Bühne ihre 140 Zeichen verschicken.

An jedem Tag der Aktionswoche wird zudem eine Inszenierung live getwittert. Den Anfang macht heute um 19 Uhr Hamburg mit der Twitter-Live-Übertragung von "Jeder stirbt für sich allein" nach dem Roman von Hans Fallada. Dabei sind die User auch dazu aufgerufen, mit den Beteiligten zu diskutieren. Ob in Zukunft Theatersäle von Smartphone-Displays erhellt werden, vermag Thalia-Marketingchef Strauch nicht zu sagen.

Bei der Hamburger Social Media Week im Februar will das Thalia aber Zuschauer dazu animieren, aus einer Vorstellung zu twittern. Danach wird darüber diskutiert werden, ob das eine Bereicherung ist. Derzeit fragt sich Strauch aber auch, "was dann passiert, wenn der Austausch Publikum und Theaterraum virtuell umgeleitet wird".


#TTW13 - die Twitter-Theater-Woche im Überblick
9. Dezember - Thalia Theater Hamburg
(@ThaliaTheater)
10. Dezember - Schauspielhaus Bochum (@TheaterBochum)
11. Dezember - Deutsches Theater Berlin (@DT_Berlin)
12. Dezember - Schauspiel Hannover (@SchauspielH)
13. Dezember - Residenztheater München (@residenztheater)
Das komplette Programm gibt es hier.

ppl



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.