Überwachung zum Blättern "Big Brother" geht an den Kiosk

Ein Schwesterunternehmen des Stuttgarter Ehapa Verlages bringt die Zeitschrift "Big Brother - Exklusiv zur Serie" heraus. Der Untertitel verspricht: "Wir zeigen, was Sie nicht im TV sehen".

Von Andreas Kötter


Das Heft zur TV-Serie, die TV-Serie zum Heft - wenn Auflage und Quote locken, zeigen sich die Marketingstrategen der großen Verlage und mächtigen TV-Sender findig. Und so kommt es nun, wie es wohl kommen musste. "Big Brother", von den Medienwächtern gehasstes Mitglied der Endemol-Familie, erobert den Kiosk. Nachdem RTL 2 vor zehn Tagen mit den langweiligen Live-Bildern aus dem Wohncontainer auf Sendung ging, folgt nun das Print-Pendant zur Serie. Am 22. März soll "Big Brother - Exklusiv zur Serie" erstmals erscheinen.

Die skandinavische Egmont Holding, zu der auch der Stuttgarter Ehapa-Verlag ("Asterix", "Lucky Luke", "Micky Maus") gehört, hat mit der Cultfish Entertainment GmbH eigens eine neue Tochter gegründet, um das Heft an den Kiosk bringen zu können. Hauptsächlich "Zeitschriften und Bücher zu aktuellen Medienthemen" will man herausgeben, so demnächst auch "Unter Uns", ein Magazin zur täglichen Seifenoper auf RTL.

Geschichten aus dem Container in "Big Brother - Exklusiv zur Serie"
AP

Geschichten aus dem Container in "Big Brother - Exklusiv zur Serie"

Inhaber der Egmont Holding ist die Egmont Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, die sich hauptsächlich für Kinder und junge Familien in Not einsetzt. "Egmont ist mit 100 Unternehmen in 30 Ländern aktiv und konzentriert sich vorwiegend auf qualitativ hochwertige Unterhaltungsmedien für Kinder, Jugendliche und Familien", heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Da sollte der viel gescholtene "Große Bruder" eigentlich kaum ins Konzept des Hauses passen. "Das ist der Grund, warum man Cultfish Entertainment gegründet hat", so Marion Egenberger, Presseprecherin von Ehapa. "Die neuen Objekte sollen sich hauptsächlich an Erwachsene richten. Mit Cultfish wollen wir uns abgrenzen von unseren Kinder- und Jugendmagazinen. Denn die Eltern unserer Leserschaft verlassen sich darauf, dass sie die Ehapa-Produkte ihren Kindern blind geben können".

Offensichtlich also traut man dem Ruf von "Big Brother" nicht so recht. Für den Inhalt des 52 Seiten starken Heftes (Verkaufspreis 3,20 Mark, Auflage 270.000 Stück) zeichnet das Redaktionsbüro Wipperfürth, in Köln verantwortlich, das sich auf die Konzeption neuer Zeitschriften spezialisiert hat. Dort wird zum Beispiel das Kindermagazin "Tabaluga" erstellt, aber auch "Feng Shui - Die moderne Art zu leben" (OZ-Verlag), ein Hochglanz-Blatt zwischen schönem Wohnen, (Pseudo-)Psychologie heute und Klatsch und Tratsch.

Über den Inhalt von "Big Brother" will man dort nicht sprechen. Fred Wipperfürth selbst ist verreist, sein Stellvertreter Dirk Switalla "darf sich zu diesem Zeitpunkt nicht äußern". Marion Egenberger schon: "In der ersten Nummer wird es eine Umfrage unter Prominenten geben, ebenso die Biografien der Kandidaten und die Story um den Spion". Ein Psychologe soll ebenso zu Wort kommen wie die Teilnehmer selbst, die Tagebuch geführt haben. Die Gefahr, ein Magazin zu einem Zeitpunkt an den Kiosk zu bringen, zu dem die dazugehörige Sendung längst von den Medienwächtern aus dem Verkehr gezogen wurde, "die haben wir bewusst in Kauf genommen", so Egenberger. Und um im Jargon von "Big Brother" und Konsorten zu bleiben, legt sie nach: "No Risk, No Fun!"

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.