Umstrittene Putin-Auszeichnung Künstler Eliasson gibt Quadriga-Preis zurück

Der Streit um die Vergabe des Quadriga-Preises an den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin spitzt sich zu: Jetzt kündigte der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson an, die Trophäe aus Protest zurückzugeben. Auch Preisträger Vaclav Havel kritisiert die geplante Vergabe. 
Künstler Olafur Eliasson (r.) mit Daniel Birnbaum (2010): Quadriga, nein danke!

Künstler Olafur Eliasson (r.) mit Daniel Birnbaum (2010): Quadriga, nein danke!

Foto: Andreas Rentz/ Getty Images

Hamburg/Frankfurt - Nachdem der Historiker Edgar Wolfrum, der Grünen- Chef Özdemir und der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales aus Protest gegen die Entscheidungen von ihren Kuratoriumsposten zurückgetreten sind, will nun der frühere Preisträger Olafur Eliasson die Auszeichnung, die am Tag der Deutschen Einheit verliehen wird, zurückgegeben.

"Das historische Datum des 3. Oktober und die damit verbundenen politischen, gesellschaftlichen und philosophischen Werte werden benutzt, um eine demokratische Aktivität zu suggerieren, die es in diesem Kontext nicht zu geben scheint", teilte Eliasson der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorabbericht zur Begründung mit.

Der dänisch-isländische Künstler entschuldigte sich dafür, den Preis erst angenommen zu haben und ihn dann zurückzugeben. "Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Entscheidung in Anbetracht der aktuellen Situation richtig ist", betonte er. Er hatte den Preis im vergangenen Jahr für seine "Kunst der Interaktion" verliehen bekommen.

Kritik an der Vergabe des undotierten Preises gibt es vor allem, weil Putin mangelnde Beachtung der Menschenrechte vorgeworfen wird. Auch aus dem Bundestag hatte es ablehnende Stimmen gegeben. Der verleihende Verein will hingegen den Einsatz für die deutsch-russische Partnerschaft auszeichnen. "Werkstatt Deutschland" vergibt den Quadriga-Preis laut Satzung an "Vorbilder, die Aufklärung, Engagement und Gemeinwohl verpflichtet sind".

Bei der Entscheidung für Putin sei dieser Grundsatz aber nicht ausschlaggebend gewesen, betonte ein Vereinssprecher. Stattdessen solle mit dem Preis Putins Einsatz für die Partnerschaft mit Deutschland gewürdigt werden. In der Begründung für die Vergabe wird Putins Berechenbarkeit, Stehvermögen, Verlässlichkeit und Kommunikationsfähigkeit gewürdigt. Im Inneren habe er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand, Wirtschaft und Identität geschaffen. "Im Äußeren definierte und definiert er Spielräume durch die Fokussierung auf Zweiseitigkeit, Multipolarität und Respekt."

Frühere Quadriga-Preisträger sind der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sowie die ehemaligen Staatschefs Michail Gorbatschow (Sowjetunion) und Vaclav Havel (Tschechien). Auch Havel kritisierte die geplante Verleihung. "Präsident Havel hat die Entscheidung verwundert, er ist darüber überrascht und enttäuscht", sagte Havels Sprecherin Sabina Tancevova am Freitag der Zeitschrift "Super Illu" laut Vorabbericht.

Ist die Vergabe des Quadriga-Preises an Putin wirklich so ein Skandal? Es gibt auch Stimmen, die den Einfluss der Institution relativieren. Etwa der Russland-Experte Alexander Rahr: Bei dem Preis handele es sich weder um den Nobelpreis, noch um den Karlspreis noch um das Bundesverdienstkreuz. "Der Quadriga-Preis ist eine Ehrung einer Privatorganisation, einer Stiftung, einer lokalen Stiftung in Berlin, die sich um internationale Aufmerksamkeit bemüht", sagte der Leiter des Berthold-Beitz-Zentrums der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

cbu/dapd
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