Umstrittener Medieninvestor Montgomery beendet Deutschland-Abenteuer

Er gilt als erste "Heuschrecke" im deutschen Mediengeschäft - doch David Montgomery, Besitzer der "Berliner Zeitung" und der "Hamburger Morgenpost", hat sich verspekuliert: Offenbar steht der Verkauf seiner Holding an ein Kölner Verlagshaus unmittelbar bevor.

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Hamburg - Alles deutet darauf hin, dass bald drei der führenden Regionalzeitungen Deutschlands in einem einzigen Verlag erscheinen - und ein von Medienkritikern gern als "Heuschrecke" titulierter, ausländischer Finanzinvestor sich mit mehr als nur einem blauen Auge aus dem deutschen Pressegeschäft zurückziehen muss.

Medienmanager Montgomery: Ihm droht der Rückzug aus dem Deutschland-Geschäft
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Medienmanager Montgomery: Ihm droht der Rückzug aus dem Deutschland-Geschäft

Wie der Berliner "Tagesspiegel" und das Branchenblatt "Werben & Verkaufen" übereinstimmend berichten, steht das Kölner Verlagshaus DuMont Schauberg offenbar kurz vor der Übernahme der BV Deutsche Zeitungsholding des äußerst umstrittenen Investors David Montgomery.

Den Berichten zufolge könnte der Verkauf sogar noch diese Woche erfolgen. Der Kölner Verlag, der den "Kölner Stadtanzeiger" herausbringt und sich 2006 mit der "Frankfurter Rundschau" bereits einen traditionsreichen Regionaltitel einverleibte, verwies auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE auf eine Stellungnahme vom Dezember 2008. In der ist zu lesen, dass man sich zu Übernahmegerüchten "zu diesem Zeitpunkt nicht äußern" wolle. Der Berliner Verlag war für keine Stellungnahme erreichbar.

Montgomerys Holding vereint unter anderem den Qualitätstitel "Berliner Zeitung", das Stadtmagazin "tip" sowie die Boulevardblätter "Berliner Kurier" und "Hamburger Morgenpost" unter ihrem Dach.

Derzeit gehört die Holding noch zu Montgomerys Mecom-Gruppe, dessen Sparpolitik und Renditeziele schon seit der Übernahme der Berliner Titel vor rund drei Jahren immer wieder für großen Unmut in den betroffenen Redaktionen sorgten (die "Hamburger Morgenpost" übernahm das Mecom-Imperium erst Mitte 2006).

Der Ärger ging sogar so weit, dass die Redakteure der "Berliner Zeitung" - allerdings erfolglos - vor Gericht zogen, um den von Montgomery zugleich als Geschäftsführer und Chefredakteur installierten Josef Depenbrock aus seiner Doppelrolle zu drängen.

Depenbrock gilt in Redaktionskreisen als Sparkommissar von Montgomerys Gnaden, der Outsourcing auf Kosten des journalistischen Profils betreibt. Einige sprechen dem ehemaligen Chef der "Hamburger Morgenpost" sogar hinter vorgehaltener Hand die Kompetenz ab, ein Qualitätsblatt wie die "Berliner Zeitung" zu führen.

Insbesondere die Redaktion des journalistischen Flaggschiff-Titels bewies in ihrem Kampf mehrfach Galgenhumor, so mit einem Inserat in der "taz". Darin suchte die Journalisten der "Berliner Zeitung" im Juli vergangenen Jahres sogar "eine/n seriöse/n VerlegerIn, die/der eine Zeitung nicht nur macht, um sofort Geld zu verdienen."

Weiter hieß es darin: "Die Redakteure sind nicht käuflich, die Redaktion der Berliner Zeitung ist es". Die Anzeige schließt mit: "Nur ernst gemeinte Angebote an: Redaktion - keinesfalls Chefredaktion - der Berliner Zeitung, z. Hd. Redaktionsausschuss, Abt. Demergers and Acquisitions".

Wie SPIEGEL ONLINE von Mitarbeitern der "Berliner Zeitung" erfuhr, hat sie ihr Verlag noch nicht über einen etwaigen Verkauf informiert: Die Redaktion habe aus den Nachrichtenagenturen davon erfahren.

Was aus Sicht der Redakteure lange Zeit wie ein aussichtsloser Kampf erschien, könnte sich für sie nun - auch dank der Finanzkrise - zum Guten wenden. Denn zuletzt ist Montgomery wirtschaftlich stark unter Druck geraten. Verschiedene Medien berichteten, dass der Brite hochverschuldet sei, seine Medienholding die versprochene Rendite von 20 bis 25 Prozent nicht erreichen würde und seinem Konzern sogar das Aus drohe.

Insgesamt 587 Millionen britische Pfund soll Montgomery seinen Gläubigern schulden, wie die "Financial Times Deutschland" Ende Dezember schrieb. Demnach hätten die Gläubiger des Investors massiv den Druck erhöht. Eigentlich hätte die Refinanzierung der Kredite schon zum Jahresende abgeschlossen sein sollen. Zwar gewährten sie ihm offenbar eine Gnadenfrist - hoben zur Strafe aber die Zinsen an.

Schwindende Gewinne

Doch Finanzkrise und Rezession lassen allgemein das Anzeigengeschäft der Branche einbrechen - und somit nicht nur die Gewinne von Montgomerys rund 300 Zeitungen umfassendem Konglomerat schwinden, sondern auch die Aussicht, die Gläubiger ohne Verkäufe befriedigen zu können. Entsprechend legte die Mecom-Aktie an der Börse eine erschütternde Performance hin - mit einem Wertverlust innerhalb eines Jahres um 98,48 Prozent zum 31. Dezember 2008.

Die Gerüchte um die bevorstehende Übernahme sind nicht neu. Bereits Ende Dezember hatte der Mediendienst "kress" von einer bevorstehenden Übernahme berichtet - und über eine weitreichende Fusion der "Frankfurter Rundschau" mit der "Berliner Zeitung" spekuliert. Das wiederum dürfte vor allem einen Mann freuen: Uwe Vorkötter. Der Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" führte einst auch die "Berliner Zeitung" - und verließ das Blatt wegen des Sparkurses von Montgomery.

Richtig überraschend käme das Engagement von DuMont Schauberg in Berlin letztlich nicht. Schon im Herbst 2005 hatten die Kölner ein Angebot für den Berliner Verlag abgegeben - Insider gingen von 175 Millionen Euro aus, wie die "Financial Times Deutschland" damals berichtete. Der damalige Besitzer, die Holtzbrinck-Verlagsgruppe, entschied sich aber für die - geschätzten - 180 Millionen Euro von Investor Montgomery.

Der wiederum dürfte nun weniger rausbekommen, als er selbst zuvor in sein Deutschland-Abenteuer gesteckt hat. Denn nach Angaben des "Tagesspiegel" soll die avisierte Kaufsumme bei 160 Millionen Euro liegen, "Werben & Verkaufen" setzt den Betrag bei rund 170 Millionen Euro an.



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