Unesco-Entscheidung Das Erzgebirge ist Weltkulturerbe

Die Unesco hat die Montanregion Erzgebirge/Krusnohorí zum Weltkulturerbe erklärt, das historische Bergbaugebiet sei von universellem Wert. Auch das Augsburger Wassermanagement-System wurde in die Liste aufgenommen.

Ansicht vom Erzgebirge in Sachsen: Universeller Wert
Torsten Becker/ imago images

Ansicht vom Erzgebirge in Sachsen: Universeller Wert


Zwanzig Jahre lang stand das historische Bergbaugebiet auf der Vorschlagsliste, nun hat es geklappt: Die Unesco hat die Montanregion Erzgebirge/Krusnohorí als Weltkulturerbe anerkannt. Das Komitee nahm das Gebiet in Sachsen und Böhmen in Tschechien auf seiner Sitzung in Aserbaidschan in die Liste schützenswerten Erbes der Welt auf. Diese von den beiden Ländern nominierte Stätte sei von universellem Wert. Delegierte sprachen von einem "Meisterwerk menschlicher Kreativität".

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dankte für die Anerkennung. Das Projekt sei ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit. "Glück auf!", sagte er. Die Region wollte eigentlich schon vor Jahren das Unesco-Siegel erhalten. Nach Bedenken des Weltdenkmalrats (Icomos) wurde die Bewerbung aber zurückgezogen und überarbeitet - mit Erfolg.

Ehrenfriedersdorf: Blick in eine Grube im Besucherbergwerk
Sebastian Willnow/DPA

Ehrenfriedersdorf: Blick in eine Grube im Besucherbergwerk

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit fünf Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Hinter dem Antrag stehen drei Landkreise sowie 32 Städte und Gemeinden, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, um das Erzgebirge zum Welterbe zu machen.

Auch Augsburger Wassermanagement-System ist Weltkulturerbe

Die Unesco hat auch das Wassermanagement-System in Augsburg als Weltkulturerbe anerkannt. Das Komitee nahm das historische Wassersystem, das einst von den Römern gegründet wurde, am Samstag in die Liste schützenswerten Erbes der Welt auf.

Augsburg: Das Wassermanagement-System wurde ebenfalls in die Liste aufgenommen
Stefan Puchner/DPA

Augsburg: Das Wassermanagement-System wurde ebenfalls in die Liste aufgenommen

Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, freute sich über die Auszeichnung. Mit diesem Eintrag werde "nicht nur die Wasserbau- und Brunnenkunst als ingenieurtechnische bzw. künstlerische Leistung gewürdigt sondern auch der nachhaltige Umgang mit unserer wertvollsten Ressource seit über 700 Jahren", hieß es in einem Statement Münteferings.

Welterbe-Antrag zum Donaulimes gescheitert

Zur Entscheidung bei der diesjährigen Sitzung standen insgesamt 36 Anträge, darunter mit deutscher Beteiligung auch die alte römische Militärgrenze - der sogenannte Donaulimes.

Ursprünglich galt der Antrag, den Deutschland gemeinsam mit Österreich, der Slowakei und Ungarn stellte, als aussichtsreich. Nun ist er jedoch gescheitert, weil Budapest kurzfristig Änderungswünsche hatte. Die ungarische Regierung will einen Teil des Limes vom Welterbe-Status ausgenommen wissen, hieß es. Die Entscheidung der Unesco wurde nun zurückgestellt.

Die Sitzung des Uno-Komitees ist in diesem Jahr in Baku, der Hauptstadt der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer. Sie dauert noch bis 10. Juli. Aktuell stehen mehr als 1000 Kultur- und Naturstätten aus 167 Ländern auf der Liste, darunter mehr als 40 in Deutschland.

Mehrere Stätten hatten am Samstag das Gütesiegel als Welterbe erhalten, darunter in Indien die bei Touristen wegen ihrer Palastanlagen beliebte "rosarote Stadt" Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans.

asc/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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Heitgitsche 06.07.2019
1. Böhmen ist historisch korrekt.
Das Königreich Böhmen war bis 1918 ein Teil der Habsburgermonarchie. Danach wurde der neue Nationalstaat Tschechoslowakei gegründet. Die Deutschen bildeten etwa 1/3 der Bevölkerung. Sie lebten in den Gebirgsgegenden, u.a. im Erzgebirge seit dem Hochmittelalter, bis zu ihrer Vertreibung 1945. Super, diese grenzüberschreitende Entscheidung.
Kaiz 06.07.2019
2. Unsinn
Das Debakel um die Aberkennung des Weltkulturerbes-Titels von Dresden aufgrund des Errichten einer Bruecke ausserhalb des Stadtzentrums hat gezeigt, wie wertlos und kontraproduktiv dieser ist. Man kann nicht ausschliessen, dass das Erzgebirge jetzt gezwungen wird, wieder aufs Pferd umzusteigen... mal sehen ;-)
sikasuu 06.07.2019
3. Das Erzgebirge ist Weltkulturerbe! Ja, aber das noch malwiederholt....
... nur die Landschaft, der historische Bergbau. alte Industrie usw. . Das, was sich dort leider teilweise "über Tage" abspielt, ist eher "schlechtes Beispiel"! . Freue mich für die "Gegend. Ist wirklich ein, nicht nur historischen Kleinod Mitteleuropas, war auch geschichtlich immer wieder eine wichtige Region, Weberaufstand, bömische Glasindustrie, usw. Hat auch einmalige kulinarische Spezialitäten hervor gebracht. Man denke nur an den "Blümchenkaffee" :-) . Aber ob die Region mit dieser Auszeichnung leben kann, davon profitiert, Touristen aus dem IN-& Ausland anzieht.... wird sich noch heraus stellen müssen. . Im Moment sieht es nicht danach aus:-(
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