"Népszabadság" Größte ungarische Oppositionszeitung eingestellt

Die Eigentümer sprechen von einem "neuen Geschäftsmodell", die Mitarbeiter von "Putsch": Die ungarische Tageszeitung "Népszabadság" wurde eingestellt. Sie war eine wichtige Stimme gegen Premier Orban.
"Népszabadság"-Titel auf der Mediaworks-Verlagsseite (Screenshot)

"Népszabadság"-Titel auf der Mediaworks-Verlagsseite (Screenshot)

Die ungarische Oppositionszeitung "Népszabadság" hat überraschend ihr Erscheinen eingestellt. Während die Samstagsausgabe noch ausgeliefert wurde, erschien auf der Webseite der Tageszeitung nur mehr noch eine Mitteilung des Eigentümers, der Mediaworks AG . "Die Herausgabe der 'Népszabadság' in allen ihren Versionen - Print und Online - wird mit dem heutigen Tag, bis zur Ausarbeitung beziehungsweise Umsetzung einer neuen Konzeption, ausgesetzt", hieß es darin.

Mediaworks berief sich vor allem auf die Verluste, die die Tageszeitung erwirtschafte. Redakteure und Mitarbeiter erhielten Briefe, in denen ihnen mitgeteilt wurde, dass sie unter fortlaufenden Bezügen vom Dienst suspendiert sind. Die Facebook-Seite des Blattes, die bislang unter Kontrolle der Mitarbeiter blieb, schrieb am Samstag  von einem "Putsch".

Die liberale "Népszabadság" fiel in den vergangenen Monaten durch ausführlich recherchierte Geschichten über die Skandale und Affären von Mitgliedern und Günstlingen der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán auf. Vor der Wende war das erstmals 1956 herausgegebene Blatt die Stimme der Kommunistischen Partei.

Mediaworks wird von der österreichischen Investmentfirma Vienna Capital Partners (VCP) kontrolliert. Die VCP-Tochter besitzt in Ungarn weitere Printmedien, darunter zwölf Regionalzeitungen. "Der Standard" aus Wien berichtet , im Sommer habe das der Regierungspartei Fidesz-MPSZ nahestehende Unternehmen Duna-Aszfalt einen Vertrag über den Kauf des Verlages Mediaworks geschlossen.

feb/dpa

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