Unverhüllte Kunstaktion 2000 Nackte im Fußballstadion

Mexiko, Spanien, Schweiz - egal, wo dieser Mann hinkommt, auf seinen Befehl reißen sich stets Tausende Freiwillige die Kleider vom Leib. "Soziale Plastiken" nennt Spencer Tunick seine Nackedei-Installationen. Der jüngste Coup: Knapp 2000 Hüllenlose zum Auftakt der Fußball-EM in Wien.

Wien - Auf den heiligen Rasen des Wiener Ernst-Happel-Stadions durften die Nackten allerdings nicht: "Die lassen keine nackten Leute auf das Gras", kommentierte der US-amerikanische Künstler Spencer Tunick die rigide Verbotspolitik der Stadion-Verantwortlichen, "sie haben Angst, dass die den Rasen ruinieren". Auf den Tribünen allerdings durften sich fast 2000 Freiwillige aber ungehindert die Kleider vom Leib reißen.

Sie taten das für eine weitere Großinstallation des inzwischen weltweit bekannten Nackedei-Zeremonienmeisters. Auf sein Geheiß zogen sich die Teilnehmer aus und ließen sich in verschiedenen Positionen fotografieren. Die Anweisung für die Veranstaltung am Sonntag lautete: keinerlei Kleidungsstücke oder Utensilien - also auch keine Sonnenbrillen, geschweige denn Dessous -, kein Betreten des Rasens, bei Aufnahme keine Bewegung und kein Lächeln.

"Es ist lustig. Österreich ist sehr konservativ und das hier trägt vielleicht ein bisschen zu mehr Offenheit bei", erklärte der 20-jährige Michael seine Beweggründe, weshalb er eine zweistündige Anfahrt auf sich genommen hatte, um dabei zu sein. Tunick gab seine Anweisungen über die Stadionlautsprecher und bat die Frauen und Männer sich auf bestimmte Abschnitte der Tribünen zu verteilen und verschiedene Haltungen einzunehmen.

Am Ende des mehrstündigen Fototermins war der Künstler sehr zufrieden, wie er der österreichischen Nachrichtenagentur APA sagte. Alle hätten harte Arbeit geleistet, wobei er sich selbst nicht ausnehmen wolle. Möglichen kritischen Fragen nach der Sinnhaftigkeit der Aktion versuchte er zuvorzukommen: Wäre es ihm nur um eine "Show" gegangen, dann wäre diese in einer Stunde erledigt gewesen. Die Arbeit an einem Kunstwerk dauere aber länger, betonte Tunick.

In dem Stadion finden sieben Spiele der Europameisterschaft statt, die am 7. Juni in Basel im Partnerland Schweiz angepfiffen wird. Ein bisschen sportlich durfte es bei Tunick dann doch zugehen: Als letztes "Set-Up" gab es eine Einstellung mit 1000 Fußbällen.

Das Ernst-Happel-Stadion wird am heutigen Montag offiziell der UEFA für die Europameisterschaft übergeben. Am 29. Juni soll dort das Finale der EURO 2008 stattfinden. Die Installation war Teil des EURO-Kulturprogramms. Sie wurde von der Kunsthalle am Wiener Karlsplatz sowie der Initiative "2008 - Österreich am Ball" mitorganisiert.

Die Fotos, die Tunick von der "sozialen Plastik", wie er es nannte, aufgenommen hat, sind ab 23. Juni im "public space" der Kunsthalle am Karlsplatz zu sehen. Die insgesamt 1840 Teilnehmer waren unentgeltlich dabei. Sie erhalten allerdings signierte Fotografien.

Tunick ist für seine Bilder von Nackten in Massen bekannt. Vor einem Jahr hatte er mit einem Foto von 20.000 nackten Mexikanern einen Rekord aufgestellt. Im August ließen für den New Yorker 600 Menschen auf dem Schweizer Aletsch-Gletscher die Hüllen fallen, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen.

hoc/ AP/Reuters

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