US-Medien "Washington Post" räumt einseitige Irak-Berichterstattung ein

In einem ausführlichen Artikel hat die "Washington Post" ihre eigene Berichterstattung vor dem Irak-Krieg kritisiert. Regierungsfreundliche Nachrichten seien auf der Titelseite erschienen. Meldungen, die die Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen in Frage stellten, wurden vernachlässigt.


Washington - Das Blatt zitierte Reporter mit den Worten, dass Redakteure kritische Berichte über die Beweislage "mit wenig Begeisterung" aufgenommen hätten. "Das war für sie kein Stoff für die erste Seite", sagte zum Beispiel Pentagon-Korrespondent Thomas Ricks.

"Die Darstellungen der Regierung waren auf der Titelseite. Sachen, die die Regierungsposition in Frage stellten, wurden am Sonntag auf der Seite 18 oder auf der Seite 24 am Montag gedruckt. Es gab unter den Redakteuren eine Haltung wie: Nun seht mal, es kommt zum Krieg, warum sollten wir uns mit all dem gegensätzlichen Stoff abgeben?" Insgesamt kommt der Medienkritiker der Zeitung, Howard Kurtz, als Autor des Artikels vom Donnerstag zu dem Schluss: "Das Ergebnis unserer Berichterstattung war...rückblickend häufig auffallend einseitig."

Bereits im Mai hatte die "New York Times" ihre Irak-Berichterstattung untersucht und Selbstkritik geübt. So räumte das Blatt ein, dass es sich aus Konkurrenzgründen manchmal zu eifrig auf Berichte mit der Regierungsdarstellung gestürzt habe, es gebe Fortschritte bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen.



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