US-Rundfunkaufsicht Härtere Strafen für nackte Hintern

Unter FCC-Chef Michael Powell verhängte die US-Medienaufsicht Rekordstrafen gegen Nacktheit im Fernsehen. Letzte Woche kündigte Powell seinen Rücktritt an, doch die Sender haben weiterhin Angst. Zu Recht: Ein neues Gesetz zur Verschärfung der Strafen ist bereits in Vorbereitung.


Pop-Stars Jackson, Justin Timberlake: Teure Entblößung
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Ein nackter Hintern kann Angst und Schrecken verbreiten - auch wenn er einer Comic-Figur gehört. So geschehen bei der Zeichentrick-Serie "Family Guy", die der amerikanische Medienmulti Fox ausstrahlt. Die Verantwortlichen, eingeschüchtert von der rigiden Politik der US-Rundfunkaufsicht Federal Communications Commission (FCC), ließen das gezeichnete Gesäß kurzerhand pixeln. Als die Folge vor rund fünf Jahren zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, ließ der Sender noch nackte Tatsachen gelten, und niemand nahm am Comic-Popo Anstoß.

Doch dies war die Zeit vor Janet Jackson und Michael Powell. Jackson hatte letztes Jahr während der "Superbowl"-Übertragung ihre nackte Brust gezeigt. Für Powell, Sohn des bisherigen US-Außenministers Colin Powell und Chef der FCC, ein Vergehen, das mit insgesamt 550.000 Dollar Strafe für die 20 betroffenen CBS-Sender geahndet werden musste.

Insgesamt 7,7 Millionen Dollar hat die FCC an Geldstrafen allein im Jahr 2004 verhängt. Im Oktober letzten Jahres waren 169 Fox-Sender zu je 7000 Dollar Strafe verdonnert worden, weil sie eine Episode von der Serie "Married By America" nicht zensiert hatten. In der Folge sah man Männer, die Sahne vom Körper einer Stripperin lecken. Auch die Mediengruppe ABC fürchtet die Strafen der FCC. Das Oscar-prämierte Kriegsdrama "Saving Private Ryan" wurde kurzerhand vom Sendeplan gestrichen: zu viel Gewalt und ordinäre Sprache.

Selbst wenn Powell, wie geplant, sein Amt in zwei Monaten niederlegen wird - die Situation könnte sich weiter verschärfen: Das amerikanische Repräsentantenhaus hat einen Gesetzesentwurf vorgestellt, demnach die Bußgelder für Nacktheit oder ordinäre Sprache im Fernsehen auf bis zu 500.000 Dollar pro Regelverstoß ansteigen könnten. Bislang liegt der Höchstsatz bei 32.500 Dollar pro Rundfunkstation. Geht es nach Sam Brownbeck, dem republikanischen Senator von Kansas, soll ein wiederholter Regelverstoß sogar mit drei Millionen Dollar zu Buche schlagen.

Der Gesetzesvorlage zufolge kann ein Sender sogar die Lizenz verlieren. Nach drei Regelverstößen käme das Aus. Mit derart harten Bandagen hoffen Interessengruppen und Politiker der moralisch-medialen Verrohung im Lande Herr zu werden. Bislang, so die Auffassung der Konservativen, herrscht inakzeptables Laissez-faire. Die Bußgelder seien bislang "keine Abschreckung", erklärte der republikanische Abgeordnete Fred Upton der BBC. Sie fielen mehr unter "laufende Kosten".

Powell begründete seinen Rücktritt mit neuen Karriereplänen. "Nachdem ich ein gewagtes und entschiedenes Programm durchgesetzt habe, wird es Zeit, andere Gelegenheiten wahrzunehmen", zitierte die "New York Times" den Medienkontrolleur.

Der FCC-Chef ist nicht nur wegen seiner rigiden Zensurpolitik, sondern auch wegen der Förderung der Medienkonzentration in den USA schwer umstritten. So fiel in seine Amtszeit die Übernahme von CBS durch Viacom sowie der Zusammenschluss von Universal und NBC. Im Sommer 2003 genehmigte die FCC außerdem ein Gesetz, das Medienkonzernen den Besitz mehrerer Zeitungen und Radiostationen in einer Stadt erlaubt.

Als Nachfolger werden unter anderem der Republikaner Kevin Martin, die texanische Bush-Vertraute Becky Klein sowie die Wirtschaftsexperten Michael Gallagher und Janice Obuchowski gehandelt.



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